Die – evangelische – Wissenschaftlerin
sagte bei der Präsentation ihres neuen Buches "Sein wie Gott.
Von der Macht der Heiler" im Wiener "Club Stephansplatz 4",
richtig verstandene Keuschheit sei keine Unterdrückung der Sexualität.
Keuschheit bedeute vielmehr, das Begehren zu spüren und zuzulassen,
aber bewusst zu kontrollieren.
Wie Perner zu ihrem Buch sagte, wendeten sich Hilfe suchende Menschen
immer wieder an Priester, Psychotherapeuten und Politiker, weil diese
"Heiler" vermeintlich wüssten, wie ein Mensch, eine Gesellschaft,
die Wirtschaft oder die Schöpfung geheilt werden könnten.
"Menschen gehen zu ,Heilern', weil diese scheinbar keine Konflikte
haben. Menschen, die ,Heiler' aufsuchen, sind zerrissen, sie fühlen
sich hilflos. Diese Menschen suchen jemanden, der sicher auftritt, weiler
das Stadium der Zerrissenheit schon hinter sich hat, und weiß,
wie man wieder in Balance kommt", so Perner.
Das Verhältnis, das zwischen dem Hilfe Suchenden und dem "Heiler"
entstehe, sei oft sehr nah und intim, führte die Psychotherapeutin
aus. Mit dieser Nähe könne der Psychotherapeut, Priester,
Arzt oder Politiker nicht immer umgehen. Daher bestehe die Gefahr, dass
der Hilfe Suchende vom "Heiler" sexuell oder emotional missbraucht
werde. "Heiler laufen Gefahr, dem Allmachtswahn zu verfallen"
und zu glauben, sie wären "eine Art Herr über Leben und
Tod und über das, was sein darf und nicht sein darf", so Perner.
In ihrem Machtanspruch neigten Priester, Psychotherapeuten und Politiker
dazu, Menschen zu verdammen, indem sie sie zu Sündern, Psychopathen
oder Idioten erklärten.
Dass ein Missbrauch stattgefunden habe, werde von der missbrauchten
Person erst zeitverzögert realisiert. Im Nachhinein sei nicht der
Missbrauch selbst das schlimmste, sondern das enttäuschte Vertrauen
und das Gefühl, "fallen gelassen" worden zu sein. "Die
Beziehung zwischen Therapeuten und Klient zerbricht dann irgendwann,
denn auf einmal ist für den Klienten kein Therapeut mehr da, sondern
stattdessen eine sexuelle Beziehung", sagte Perner. Leider werde
jenen Personen, die im Nachhinein die Konfliktsituation erkennen, oft
nicht geholfen, so die Psychotherapeutin. Meist würden ihre Aussagen
in Frage gestellt. Dabei hätte es durchaus heilsame Wirkung, wenn
es zu einer Entschuldigung des Missbrauchenden gegenüber dem Opfer
käme."