| Kultur des Teilens Buchrezensionen |
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Buch des Monats Kirche In – Ausgabe Februar 2006 |
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| . Hundert Jahre wie ein Tag? Sie ist Juristin, Politikerin, Universitätsprofessorin, Psychotherapeutin und eine große Liebende dazu. Rotraud Perner hat ein Sachbuch geschrieben, das sich liest wie ein Thriller. Duśan heißt der Mann, an den sich ihre Briefe richten. Er übt, wie sie es nennt, einen Heilberuf aus, ist Arzt, Psychotherapeut oder Priester, steht unter der Weisung, sich uneingeschränkt seinem Dienst zu widmen. In diesen strikt abgesteckten Bereich verirrt sich eine Frau. Es scheint, zu Anfang, zu funktionieren, jedenfalls so lange sie einander nicht näherkommen. Er beflirtet sie, wie sie sagt, jahrelang. Dann, als sie darauf reagiert, 'beißt er sie weg'. Seine Welt ist gespalten. Hier höherer Auftrag, hier (verbotene) Frau. Er pendelt, wie von Gummiseilen gezogen, hin und her, wird keinem, auch sich selbst nicht, gerecht, hat permanente Schuldgefühle. Sie muss damit leben. Zyklisch, sagt sie, stößt er sie weg und nähert sich wieder. Was sonst? Er ist immer dort, wohin ihn sein schlechtes Gewissen im Augenblick treibt. Das ist, zu einem hohen Prozentsatz, sein Job. Zwischendurch zieht es ihn zu ihr. Ruhepausen gibt es nicht. Das spürt er, das bekommt sie zu spüren. Sie quält ihn mit höchst berechtigten Forderungen: Es ist doch wohl nicht zu viel verlangt, wenn er zwischendurch einmal anruft. Ist es doch! Sobald er in der Abwehrschleife kreist, soll sie, darf sie für ihn nicht existieren. Sein Gleichgewicht ist ohnehin höchst fragil. Er wird von selbst wieder angeflogen kommen. Wann, liegt allein an der Krümmung der Kurve. Großer Gott, welches Maß an Liebe gehört dazu, derlei auszuhalten. Sie besitzt es, versucht, die Dinge unter ihrer beider Hüte zu bringen. Ihre Bemühungen, ihm das simpelste Muster einer Beziehung zu vermitteln, sind berührend, klug und zum Scheitern verurteilt. Als wolle man jemandem die Grammatik einer Sprache nahebringen, von der er keine einzige Vokabel beherrscht. Sie agieren in verschiedenen Galaxien, er kann nicht, wie er vielleicht möchte und sie versteht nicht, wieso er zum tausendsten Mal nicht versteht. Man möchte ihr den in solchen Fällen üblichen idiotischen Rat geben, sich rar zu machen. Aber dann sitzt sie rar und allein vor dem Spiegel und kann sich zu ihrer Charakterstärke beglückwünschen. Bis er von sich auf darauf kommt, dass er sie braucht, kann gut und gerne ein Jahr vergehen, zu viel für ein liebendes Herz. Man legt das Buch, einmal eingestiegen, schwer aus der Hand. Über die unorthodoxe Großschreibung der Schlüsselworte kommt man nach anfänglicher Irritation hinweg. Rotraud Perner spricht von der Kultur des Teilens von Lebenszeiten, Gedanken, Empfindungen, Arbeit und Partnerschaft. Von der Unkultur des Zerstückelns, der Gier, alles für sich behalten zu wollen, der Gewalttätigkeit des Schweigens. Sie unterzeichnet ihre Briefe mit wechselnder Signatur - "Deine Mut-Willige", "Provokateurin", "Kontinuierliche", "Teilungsbereite", weist damit auf ihre Flexibilität, vielleicht absichtslos auf seine Erstarrtheit hin. Ehrlichkeit und Selbstkritik fließen mühelos ein, sie gibt zu, Kolleginnen in früheren Jahren arrogant behandelt sowie Klopapier aus amtlichen Toiletten entwendet zu haben. Auch, dass sie am Schweigen der Männer - das nicht allein Duśan-spezifisch ist, verzweifelt. Was tun? Alles lassen, wie es ist? Zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts gab man jungen Mädchen die Anweisung auf den Weg: ,Geh und lieb' und leide!' Wo bleibt die Entwicklung? Hundert Jahre wie ein Tag? Oder, mit Erich Fried: ,Es ist was es ist, sagt die Liebe'. Beatrice Ferolli www.kirche-in.at |
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"Solidarische Wege aus der Ellbogen-Gesellschaft" Die Presse / Chronik Österreich |
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| "Solidarische Wege aus der Ellbogen-Gesellschaft" beschreibt
die Autorin, Psychoanalytikerin und Juristin Rotraud A. Perner in ihrem
neuen Buch: "Kultur des Teilens". Bei der Präsentation am
Montag in Wien erklärte sie ihr Anliegen: Es sei ein Plädoyer
gegen das Übervorteilen von anderen. "Wir leben in einer geteilten
Welt, die meisten Teilungen sind unfair. Sie erschweren das Leben." Ihr
Buch zeige Auswege auf und gebe Anleitungen, wie man auf Gewalt verzichte,
Generationenkonflikte, Fremdenfeindlichkeit und Geschlechtergegensätze überwinde. Um nicht "von oben herab" zu schreiben, wählte die Autorin die Form von Briefen an einen Kollegen namens Duśan. In der Person des Duśan verdichtete sie mehrere Personen aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz. |
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Profil – Ausgabe Nr. 7 vom 11. Februar 2002 |
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| "Man drückt auf die Seele anderer Menschen wie auf eine Senftube, damit Bewunderungsenergie oder Gehorsamsenergie herauskommt", verurteilt Rotraud A. Perner in ihrem neuen Buch "Kultur des Teilens" (Ueberreuter Verlag, 280 Seiten, 19,90 €), egozentrische Interessensvertretungen. Die Autorin wählt für ihr Plädoyer "einer privaten wie öffentlichen Kultur des Teilens" die Variante der Briefform, um, wie Perner im Vorwort erklärt, "meine Sicht der Dinge nicht absolut zu setzen und Raum für verschiedene Positionen zu lassen". Adressat ist ein Kollege aus einem anderen – nicht genau definierten – Kulturkreis, dem die Autorin Briefe über Geschlechtergegensätze, Generationskonflikte und Fremdenfeindlichkeit schreibt, um gleichzeitig ihre Sicht der möglichen Überwindung zu schildern." | |||
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Gespräch mit Rotraud Perner Alexandra Bader |
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| Wie arbeitet eine Frau, die wir aus den Medien,
von eigenen Kommentaren und von vielen Büchern kennen? Wir haben Rotraud
Perner in ihrem Büro besucht, das ja nur ein paar Strassen von unserem
entfernt in der Wiener Innenstadt liegt. Hier werden nicht nur KlientInnen
beraten und gecoacht, hier entstehen auch zahlreiche Bücher. Deren
Titel Frau Perner übrigens hinter Glas an einer Wand hängen lässt.
Ein aufbauender Anblick, den auch eine renommierte Psychotherapeutin und
Juristin in einer Männerwelt braucht, die sich mit weiblicher Kompetenz
nach wie vor schwertut.
Einer Klientin gab sie mal angesichts dieser Wand den Rat, doch Bilder von sich mit ihren Kindern aufzuhängen. Denn diese Frau litt darunter, dass ihre Arbeit so wenig neben der ihres Mannes galt, der sein Büro voller Auszeichnungen hatte. Die Leistungsschau daheim irritierte ihn jedoch nicht wenig, da er sich davon angegriffen fühlte. Das von solchen Mechanismen geprägte Verhältnis zwischen Mann und Frau ist auch eines der zentralen Themen in der "Kultur des Teilens". Eigentlich wollte Perner ein Sachbuch zum Teilen von Arbeit verfassen. Sie stellt fest, dass Menschen, wenn sie als Angestellte weiterhin so arbeiten wie jetzt, wenig Chance haben, Verantwortung zu übernehmen und mitzudenken. Die Arbeitgeber haben die Position von Ehemännern in traditionellen Familien. Die Schaffung der "neuen Selbständigen" ist in der Praxis eine schlechte Regelung, da sie mit mehr Bürokratie verbunden ist als Werkverträge. Man müsse eine "Berufspartnerschaft" kreieren, bei der man sich nicht so einbindet wie bei einem Gewerbe, also ein "Zwischending" aus Angestelltenverhältnis und Gewerbe. Es gibt ja durchaus genug Arbeit zu delegieren, und derlei ist auch Bestandteil ihres Zeitmanagements, ansonsten könnte Perner ihr Pensum nicht schaffen. Statt derlei Arbeitsteilung rechtlich zu erleichtern, strebt Wirtschaftspolitik aber nur nach Grösse, nach Fusionen, nach dem Weltmarkt. Es müsste aber klar sein, dass Österreich bei einer derartigen Konkurrenz nicht mithalten kann. Dafür haben wir Kultur, gehobene Dienstleistungen, Landschaft und Folklore zu bieten. Statt auf die "männliche" Quantität müsse man auf "weibliche" Qualität setzen. Dazu gehört, mehr in Ausbildung zu investieren. Perner meint, dass wir durchaus auf eine Zweidrittelgesellschaft zusteuern, allerdings in der Form, dass ein Drittel Arbeit hat, ein Drittel hochqualifiziert ist und keine Arbeit hat und ein minderqualifiziertes Drittel ebenfalls ohne Arbeit ist. Die Teilung von Arbeit verhindert, dass Menschen kriminell werden, weil sie ihre Existenz nicht anders sichern können. Das waren in etwa die Grundgedanken für dieses Buch und so entstanden die ersten Seiten. Dann kamen mehrere Erlebnisse, die alles umwarfen und ein ganz anderes Buch schufen. Perner erlebte zum Beispiel die Gruppendynamik einer Bürgerinitiative, die Schihütten-Erlebnisgastronomie im Franziskanerviertel verhindern will, wo derlei nun wirklich am allerwenigsten hinpasst. Und einige ihrer Klientinnen klagten, dass ihnen Männer beruflich wie privat nicht antworten, sondern schweigen. Sie kennt dies auch aus Erfahrung, weil manche ihre Mails elegant ignorieren, obwohl es sich um berufliche Bekanntschaften handelt. (Offenbar ist es dank Mail, SMS, Handymailboxen auch leichter geworden, unhöflich und ignorant zu sein....) Das Buchkonzept wurde dann vollkommen neu verfasst mit den Schwerpunkten: respektvoller Umgang miteinander, Neid aufarbeiten, Fremdenfeindlichkeit thematisieren, wobei für Männer die Frau der erste Fremde ist. Ein reines Sachbuch wäre unpersönlich geworden, und so entschloss sich Perner, sich den angesprochenen Fragen persönlich zu stellen. Sie hat in der Form von zehn Briefen an einen Freund Menschen, die nicht antworten, "verdichtet". Auf diese Weise zeigt sie, wie Probleme "sachlich und partnerschaflich ohne Wut und Unterwerfung" thematisiert werden können. Perner beschreibt, wie es IST und stellt dar, wie es anders sein könnte, von Arbeitswelt und politischer Partizipation bis zur Partnerschaft zwischen Mann und Frau. Wichtig ist es, klar zu deklarieren, was man will. Ein Arbeitgeber müsste eigentlich sagen "ich will viel Arbeit und wenig dafür bezahlen", ein Arbeitnehmer "ich will wenig arbeiten und dafür viel bezahlt bekommen". Beides ist legitim und man könnte sich, wenn die Karten so offen auf dem Tisch liegen, in der Mitte treffen. Die gewählte tagebuchartige Briefform ist natürlich ein Wagnis, da Perner nicht weiss, wie die akademische Welt reagiert, ob man diese Art, Wissen näherzubringen, nicht abwerten wird. "Mein Ziel ist es aber nicht, Kollegen zu beeindrucken", meint sie, "sondern für Menschen hilfreich zu sein, die unsicher sind." Ihnen wird Rat für wiederkehrende Alltagssituationen geboten, wobei durchaus auf Fachliteratur verwiesen und aus dieser zitiert wird. Sehr oft hört Perner von ihren Klientinnen Aussagen wie diese: "Ich bin so oft die einzige Frau unter lauter Männern. Aber eigentlich darf ich mich eh nicht beschweren." Es soll Menschen erleichtert werden, trotz dieses "eigentlich" zu artikulieren, was Unbehagen macht. Perner wagt sich erstmals an literarisches Schreiben, um klar nachvollziehbare Denkanstösse und Argumente für solche Situationen anzubieten. Dabei greift sie immer wieder auf eigene Erfahrungen zurück, wozu auch eine Tätigkeit als Bezirksrätin bei der SPÖ gehört. Sie erlebte in dieser Funktion, dass zuerst abgelehnte Ideen dann doch von der ÖVP übernommen wurden, was ja auch eine Form von Anerkennung ist. Eigentlich haben ja SPÖ und ÖVP eine lange "Tradition des Teilens", während sich die FPÖ damit schwertut, stellt sie ein wenig amüsiert zur innenpolitischen Situation fest. Und was wäre, wenn einmal zu dritt geteilt werden muss? - Vielleicht werden wir das bald erleben, denn während unseres Gesprächs war die innenpolitische Szene in heller Aufregung wegen Jörg Haider. Was nichts sonderlich Neues ist, aber irgendwann ja doch mal zu Neuwahlen führen könnte. Warum haben es Frauen in der Politik und sonstwo so schwer? Nun, einerseits tun sich viele Männer mit der Anerkennung weiblicher Leistungen unheimlich schwer - ich konnte Perners reichhaltigem Fundus an Erfahrungen von Frauen und eigenen Erlebnissen auch ein paar Episoden hinzufügen. Und andererseits fehlt Frauen der "Korpsgeist", was sie unberechenbar macht und Männer befürchten lässt, dass sie nicht zur Organisation stehen. Eine gewisse Art Treue einschliesslich Vertuschung ist Frauen fremd, während sie für viele Männer selbstverständlich ist. Natürlich haben vor allem jene Männer Probleme, weibliche Kompetenz würdigen, die sich schon lange keinem Wettbewerb mehr aussetzen, schon lange nichts mehr erarbeiten müssen. Meine Beobachtungen aus dem Medienbereich bestätigt Perner und ergänzt sie um andere Zirkel nackter Kaiser, die seit Jahren aneinander nicht vorhandene Kleider bewundern. Was Frauen, deren Konkurrenz sie fürchten, durchaus auffällt.... |
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