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"Beziehungsweise"
-->  Wiener Zeitung
Foto: Helmut Klein

"Venuskraft"

erschienen in:
"Wiener Zeitung" – 13.06.2008

Wenn man die derzeit in ihrer engeren "Heimat" zur öffentlichen Bewunderung ausgestellte Venus von Willendorf betrachtet, sieht man gleich, was ihr wesentlichstes Attribut ist – zumindest für die Person, die sie gestaltet hat: die Riesenbrüste. Damit wird auch deutlich, wofür Frau zu stehen hat: für's Nähren. Oder zum Spielen. Denn wenn auch (schwule?) Modeschöpfer unentwegt knabenhafte Frauen als Mannequins über den Laufsteg schicken – daheim hat man(n)'s gerne rund und weich. Magermodels dienen Jetset-Tigern primär zum optischen Protz gegenüber subdominanten Männern – was unerfahrene Mädchen motiviert, sich auf diese Form von Andienen einzulassen, immer in der Hoffnung, damit Zuwendung und Liebe (und Karriere) zu bekommen.

Die ammengleich mit Bedienung, Trost und Seelenenergie nährende und immer spielbereite Mutter ist das Traumbild kindlicher Männer. Für viele geht Liebe ja lebenslang durch den Magen (oder tiefer). Und sie soll nur ja nicht Nahrung für sich selbst einfordern. Würde eine Mutter versuchen, von ihrem Kind Seelennahrung zu erlangen, wäre das ja als emotionaler Missbrauch zu werten. Zwischen zwei oder mehr Erwachsenen hingegen ist das Partnerschaft.

Reife Männer nämlich sehen Frauen nicht als Dienerin und Bedienerin – auch sexuelle Dienstleisterin – sondern als Ergänzungsperson, mit der man im Austausch steht. Das ist in der "kindlichen Gesellschaft" (Robert Bly) selten. Daher taucht auch in der Sexualtherapie als häufiges Problem die Klage auf, frau oder auch man(n) fühle sich "nicht gewollt" – man spürt keinen Energiefluss vom anderen, sondern nur Bedürftigkeit oder Forderung. Da wirkt dann nicht Venus, sondern die mütterlich-kontrollierende Göttermutter Juno …

Gleicht aber eine Frau weder der Übermutter noch der dienenden Magd, bekommt sie Probleme … denn kindliche Männer dulden nicht, dass eine Frau mit ihnen in Konkurrenz tritt. Ganz deutlich wurde das bei den Präsidentschaftsvorwahlen in den USA: Die Art und Weise, wie die politisch erfahrene und prinzipienstarke Rechtsanwältin Hillary Clinton immer wieder medial zum Aufgeben gedrängt wurde samt den dazu passenden Armutschkerl- oder Furien-Fotos, enttarnte die geheime Botschaft: Du hast es gewagt, aus dem Schatten (d)eines Mannes heraus zu treten – das soll dir noch Leid tun! Da wärmt es hingegen vielen das Herz, wenn die ehemalige Verwaltungsangestellte Michelle Obama sich devot hinter ihren Mann drückt …


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