"Männlichkeit" erschienen in: Ich nehme an, vielen Frauen geht es wie mir: Sie ärgern sich, wenn sie tagtäglich mehrmals per mail aufgefordert werden, ihren Penis verlängern zu lassen … oder mittels Potenzpillen ihre wahre Männlichkeit zu entdecken. Irgendwo gab es einmal die Frage, was denn einen Mann zum Manne macht, und die Antwort lautete: die Frau. Wenn man dual denkt, in Gegensätzen also – wie es ja die meisten Menschen seit dem Sündenfall, dem Herausfallen aus der Ein-heit in Gott, im angeblich so zivilisierten Westeuropa ja andauernd tun solange sie nicht gelernt haben, ganzheitlich zu denken – braucht der Mann die Frau als Gegenpol, als "zweites Geschlecht", wie man den Originaltitel der Feminismusbibel von Simone de Beauvoir auch übersetzen könnte, wenn man die von der Autorin mitgemeinte Herabminderung deutlicher machen wollte. Denkt man aber holistisch, dann sieht man den Mann als Ganzen für sich allein, als Individuum (= etwas Ungeteiltes). Dann sieht man nicht nur das so genannte Beste Stück – so genannt, denn wenn es das beste ist, muss man es ja nicht verbessern – oder? Denn wenn auch dieses äußerlich sichtbare Merkmal zu Anbeginn des Lebens die Unterscheidung in männlich oder weiblich definiert – zur endgültigen Definition der Geschlechtsidentität braucht es insgesamt sieben Merkmale wie beispielsweise das hormonelle Geschlecht – liegt es am konkreten einzelnen Mann, woran er sich orientiert: nur am Körper oder auch an Seele und vor allem Geist (und hoffentlich nicht Ungeist). Irgendwann stellt sich für alle von uns die Frage, was für ein Mann (oder was für eine Frau) wollen wir sein? Oder andersrum gefragt: Was sind die männlichen, was die weiblichen Anteile? Dann kann man männlich und weiblich als Symbole für Eigenschaften erkennen, als fixierte Verhaltensweisen, als Ergebnisse von Erziehung und damit Kultur und letztlich als gesellschaftliche Konstrukte. Dann stehen wir vor der Herausforderung, unsere Identität selbst zu konstruieren, uns also gleichsam zum zweiten – oder öfteren – Mal zu erschaffen, je nach der Phase unseres Lebenszyklus, in der wir uns befinden. Während ich diese Zeilen schreibe, meldet mein Rechner ein neues mail – und was erscheint auf dem Bildschirm? "Battery in your pants! That is exclusive method for REAL MAN!" "Wahre Männlichkeit" nur über das Hosenwunder zu definieren, vernachlässigt all die Optionen, die männliche Wesen zu Menschen machen. Früher, so schreibe ich in meinem Buch "Heute schon geliebt?", haben sich viele in ihrem sexuellen Repertoire an den Tieren im Bauernhof orientiert – heute tun sie es an Pornofilmen: das Niveau ist das gleiche geblieben. |