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"Beziehungsweise"
-->  Wiener Zeitung
Foto: Helmut Klein

"Spargelmythen"

erschienen in:
"Wiener Zeitung" – 02.05.2008

Spargel wird nachgesagt, dass er sexuellen Appetit fördert. Manche führen das darauf zurück, dass er von seiner Gestalt her entfernt an gelegentliche Erscheinungsformen des männlichen Körperteils erinnert, der angeblich bei Frauen Genussfantasien auslöst…vermuten zumindest wiederum fantasiebegabte Männer. Als mir meine Mutter, als ich so um die vierzehn Jahre alt war und meinen ersten Dauerfreund zum Essen einlud, ein Kochbüchlein in Taschenbuchformat schenkte, das den Titel trug "Was Männern so gut schmeckt", konnte es mein Vater – witzig witzig! – nicht lassen, nach dem "Was" handschriftlich das Wörtchen "an" einzufügen. Weshalb sich meine Mutter darüber empörte, begriff ich allerdings erst etliche Jahre später …

Aus ähnlichen Ähnlichkeitsgründen wurde ja auch Walnüssen schon vor vielen Jahren die Kraft zugesprochen, Denkleistungen zu verbessern – weil sie sich gehirngleich gewunden, zweigeteilt und von harter Schale geschützt zeigen. Es gibt noch andere derartige Simile-Interpretationen, und viele entstammen der Suche nach stubenreinen Bezeichnungen für die verborgenen Unterleibsregionen.

Nun haben ebenso "witzige" Werbeleute einem oberösterreichischen Gratis-Telefonbuch eine – "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" – Spargelwerbung unterjubelt, die eine mit roter Reizwäsche bekleidete Blondine zeigt, die sich an einem übergroßen Spargel reibt. Ein klassischer Fall von Sexismus. Wieso? wird jetzt wohl mancher Witzbold fragen – bei der Kultstripperin Dita von Teese als quasi Cocktailkirsche im Sektglas findet doch auch kaum wer was Anstößiges was dabei … außer vielleicht ein paar "übrig gebliebene" prüde alte Jungfern oder verklemmte religiöse Fundamentalisten …

Ob eine sexistische Diskriminierung vorliegt, kann man sehr gut daran erkennen, ob das jeweilige Sujet leicht umkehrbar ist. Wie würde etwa ein Vater reagieren, wenn sein Betriebswirtschaft studierender und für eine große Managerkarriere bestimmter Sohn in zärtlicher Umarmung mit einem Riesenspargel abgebildet würde? Oder gar er selbst?

Ich erinnere mich noch sehr gut an humorlose Reaktionen nicht nur von Franz Vranitzky, als sein Kopf auf einem Cover des Wochenmagazins profil auf einen attraktiven nackten Männerkörper montiert war. Ebenso hab ich oft erlebt, wie in munteren Herrenrunden das Gelächter erstarb, wenn die selbsternannten Juroren begannen, Gattinnen oder Töchter der als "untergeordnet" definierten Kollegen zu bewerten … Werden Fantasien von der Realität eingeholt, verblasst jeder Mythos: Spargel hat eine entwässernde Wirkung; er verursacht "Trieb" – auf's WC.


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