"Rivalitäten" erschienen in: Wer kennt sie nicht, die Rivalitäten in Paarbeziehungen … Die beginnen schon, wenn der Partner einen schnellen Blick auf eine vorübergehende Frau wirft! Dabei haben meine zahlreichen Befragungen in der Zeit, als ich noch in Partnerberatungsstellen forschte, ergeben, dass dieser scheinbare "Blick der Anerkennung" nur der "Kontrollblick des Jägers" ist: Die meisten Männer erkannten gar keine Details bei der femme passante, sondern reagierten primär auf hyperblonde, knallrote oder tiefschwarze Haare, eventuell noch ein grellbuntes (oder getigertes) Kleid und laut klappernde Stöckelschuhe – alles andere blieb unter ihrer Wahrnehmungsschwelle. Ich riet den so von ihren Dauerfrauen gepiesackten Schaulustigen, einfach die Dynamik ihres Blickes zu entschleunigen: Wird mit dem "faden Aug" verlangsamt, merkt frau gar nicht, wohin ihr Schürzenjäger guckt. Aber, so versicherten mir die Pseudospanner, die andere Schöne interessiere sie gar nicht, ihr Hinsehen passiere nur automatisch … Viele Frauen bezichtigen sich selbst in solchen Situationen der Eifersucht. Wenn man aber korrekt differenziert, wie wir es in der systemischen Paartherapie gewohnt sind, stellt sich das unerwünscht-quälende Gefühl meist als Neid heraus. Oder als ein Gefühl der Benachteiligung … selten hingegen als blanke Konkurrenz. Um diese scheint es derzeit zu gehen, wenn manche heterosexuell Orientierte ihre homosexuell l(i)ebenden Mitmenschen nicht gestatten wollen, ihr Bekenntnis zum gemeinsamen Leben vor dem Standesamt zu besiegeln. Ja wo denn sonst? Wenn man seinen Personenstand vom Single zum "öffentlichen" Paar mit Rechten und Pflichten verändert, also bereit ist, Verantwortung, Beistand – in guten wie in schlechten Zeiten – und damit Entlastung des Staates zu übernehmen, dann sollte das der Staat auch gleich wertschätzen, egal was irgendwer fantasiert, was die "Warmen" im Schlafgemach treiben (meist ohnedies viel weniger als die so genannten Stinos = Stinknormalen, oft aber seelen-"wärmer"!). Ernest Borneman, mit dem ich sonst nicht so sehr einer Meinung bin, hat einmal sehr treffend formuliert, die meisten Menschen argwöhnten, die "Anderen" (z. B. auch Angehörige anderer ethnischer Kulturen) hätten besseren Sex als sie selbst, deswegen gingen sie sicherheitshalber – zur Sicherung ihrer Überlegenheitsbedürfnisse – aggressiv oder verächtlich auf diese los. Aber vielleicht schafft es unsere Gesellschaft im 3. Jahrtausend doch, zwischen Ehe als bürgerlichrechtlichem Vertrag, religiösen Ritualen in der Hoffnung auf spirituelle Vervollkommnung als Paar und kommerziellen Protz-Inszenierungen zu differenzieren! |