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"Beziehungsweise"
-->  Wiener Zeitung
Foto: Helmut Klein

"Sexphantasien"

erschienen in:
"Wiener Zeitung" – 07.03.2008

Am 24. Februar wurde in St. Pölten der erste Vorsorgepreis vergeben – sowohl österreichweit als auch auf Niederösterreich bezogen. In der Kategorie Bildungseinrichtung bekam ihn das oberösterreichische Sexualaufklärungsprojekt "Love Tours". Das hat mich besonders gefreut: Denn ich saß zwar in der Jury, habe mich gerade bei diesem Projekt herausgehalten und als befangen erklärt. Es wurde nämlich von zwei von mir ausgebildeten Sexualpädagoginnen, Elke Welser, heute Leiterin der Prostituierten-Fürsorge der Caritas, "Lena", in Linz und der international wertgeschätzten Jugendspezialistin Andrea Brentano erfunden und entwickelt. (Der nächste Ausbildungslehrgang beginnt übrigens im Oktober!)

Vermutlich gibt dies der neuen Zwergpartei "Die Christen" wieder Anlass zu geifern. Auf ihrer Homepage kann man nämlich unter dem Titel "Steuergelder für Unzucht" lesen: "Im Klartext geht es darum, einen sexuell ausschweifenden Lebenswandel gutzuheißen, also unter Kindern und Jugendlichen zu propagieren." Und: "Es spielt für die genannten Politikerinnen keine Rolle, dass sie junge Menschen zu einem Lebenswandel verführen, der sie beziehungsunfähig macht. So wird es auch in Zukunft immer weniger stabile Ehen und intakte Familien geben und noch weniger Kinder." Da enttarnen sich wieder einmal die "dreckigen" sexuellen Phantasien dieser Christen!

Wären sie nämlich "beziehungsfähig", würden sie mit den Love-Tours-Expert/innen reden anstatt sie zu verleumden. Das Projekt wurde nämlich genau in konträrer Absicht entwickelt – nämlich um Frühschwangerschaften, HIV-Infektionen und sexuelle Gewalt unter Jugendlichen zu verhindern! Und das geht nur über Aufklärung – nicht durch Verbote! Die haben immer nur das Verbotene besonders attraktiv gemacht – fast möchte ich schreiben: lest das Alte Testament, ihr Christen … Pädagogisch zielführend ist es hingegen, Gewissensentscheidungen zu ermöglichen: junge Menschen ernst nehmen, ihnen alle relevanten Informationen geben und dann fragen, "Was findest du gut, was schlecht, was möchtest du unterstützen, was nicht?"

Gerade das ist bitter nötig in einer Zeit, in der die "geheimen Erzieher" – Film, Fernsehen, Computerspiele und unerwünschte Sexwerbung auf Handy und Rechner – orientierungslosen Kids hirnlosen Sex als Erfolgsverhalten vorgaukelt. Beziehungsfähigkeit lernt man nur durch die Zuwendung wertschätzender Bezugspersonen, und die sind Mangelware geworden. Eltern sind heute vielfach überfordert, haben kaum Zeit und: Sie sind fast nie kompetent, weder im Umgang mit diesen neuen Medienfluten, noch im dazu nötigen tiefenpsychologischen oder sozialtherapeutischen Wissen und Können.


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