"Emotionen" erschienen in: Hillary Clinton hat Tränen in der Stimme, und sofort rätseln die einen, ob dies voll Kalkül von ihr inszeniert worden wäre, während andere jubeln: Na endlich ist sie mal menschlich, halt doch ein Frau wie andere auch. Wie wenn das zu bezweifeln gewesen wäre! Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich in meiner Zeit als Favoritner Bezirksrätin einmal bei einer Kommissionierung versucht habe, mich gegen ein Dutzend durcheinander schreiender Männer Gehör zu verschaffen: Ich schaltete meine „Audimax-Stimme“ ein. Darauf blickte mich ein ältlicher Anrainer empört an und meinte spitz: „Und das will eine Frau sein – mit der Stimme!“ worauf ich in charmant anlächelte und mit Kuschelstimme sagte: „Ich weiß: ich BIN eine Frau! Und SIE müssen es ja nicht wissen …“ Frauen wird gerne vorgeschrieben, wie sie zu sein haben: pflegeleicht, anpassungswillig, opferbereit, stets verfügbar – und möglichst stumm. Protestieren sie einmal, heißt es oft: „Was bist du denn so aggressiv?“ Oder wie mir einmal ein lieber Freund, der immer wieder nur so von Selbstgerechtigkeit strotzt, auf meinen Einwand, er ließe mir ja keinen Raum, meine Interessen zu vertreten, von oben herab gedehnt erklärte: „Ja – ich mag es nicht, wenn es ,schief’ wird …“ Dass er derjenige war, der voll Überheblichkeit auf andere herabsah, blendete er aus seiner Wahrnehmung aus … Frauen wird nachgesagt, sie wären so emotional – aber das ist eine Killerphrase, um sich dagegen zu schützen, von (ihren) Gefühlen angesteckt zu werden. Gefühle sind ja die subjektive Bezeichnung für spürbare Hormonausschüttungen; ohne Namen sind sie nur „Emotionen“ – Bewegungen in der Befindlichkeit. Es tut sich was innerlich. Erst wenn wir dem einen Namen geben – der nicht einmal dazu passen muss – tut er auch meistens nicht – erleben wir ein konkretes Gefühl. Es ist aber selber gemacht. Ob ich aus meiner Regung beispielsweise Neid mache oder Eifersucht oder „nur“ das Gefühl der Benachteiligung, ist eine höchstpersönliche Entscheidung, sie geschieht nur so schnell, dass wir sie für willensunabhängig halten … dabei müssten wir nur ein wenig zögern … Egal, welche Motive wir Hillary Clinton unterstellen – es sind unsere Fantasien, die da zu Tage treten. Meine ist: sie hat halt drauf gepfiffen, sich total zu beherrschen, so im Sinne, „Es ist eh schon egal …“. Ich erinnere mich an eine Pressestunde mit Leopold Gratz, in die hinein gemeldet wurde, Christian Broda sei gestorben. Gratz traten die Tränen in die Augen, er schluckte – und dann entschuldigte er sich für diese seine menschliche Reaktion. Schade. Auch Politiker sollten echt bleiben dürfen. |