"Oldies?" erschienen in: Da flattert mir doch die Zeitung „Österreich“ ins Haus – nein, nicht die Tageszeitung von Wolfgang Fellner, sonder das SPÖ- Mitgliedermagazin. Und da lese ich auf Seite 04: „Ein kräftiges Plus bei den Pensionen“ und „Die Bezieher kleiner und mittlerer Pensionen sind die großen Gewinner“, bebildert mit zwei Fotos: Über dem Titel sieht man ein Paar, sie schätze ich auf Ende sechzig bis Ende siebzig, er hat seine Hand auf ihrer Schuler und sieht jünger aus, obwohl er wahrscheinlich in etwa gleich alt ist. Beide wirken so, wie man sich vorurteilsbehaftet ein eher ärmliches Bauernpaar vorstellt. Unten auf der Seite ist ein kleines Bild von zwei Feschaks: des grauhaarigen Bundeskanzlers und des weißhaarigen Pensionistenverbandspräsidenten Karl Blecha, und der schaut gleich alt aus wie der Kanzler, obwohl er im kommenden Frühjahr 74 wird. Das Titelbild mit dem Hetero-Paar irritiert mich: Das entspricht nicht (mehr) der Realität. Auch wenn es noch gelegentlich ältere Frauen gibt, die sich tagaus tagein so kleiden als wenn sie gleich in den Stall zum Ausmisten gehen würden – die Bäuerinnen, die ich kenne, schauen heute anders aus – eben nicht so wie in den Kinderbüchern der 1950er Jahre. Überhaupt pflegen sich ältere Menschen, Männer wie Frauen, heute mehr (ausgenommen sie sind schwer depressiv, dann gehört die Selbstvernachlässigung zum Krankheitsbild) – sie haben ja auch Badezimmer und Warmwasser, etwas, was damals Mangelware bzw. Luxus darstellte. Und Kleidung kann man billig von der Stange erwerben, wohingegen man damals entweder selbst die Kunst der Selbstschneiderei beherrschen musste oder teuer Erspartes zu Professionalisten tragen. Aber auch die Körper sind vielfach in einem wesentlich besseren Zustand – nicht nur dank verbesserter medizinischer Betreuung sondern vor allem auch durch die vielen Helfermaschinen, die eine/n von schwerer Arbeit entlasten. Auch das Selbstverständnis ist anders: Selbst wenn noch zumindest „am Land“ manche Pensionistinnen Angst vor übler Nachrede haben, wenn sie nach dem Wechsel nicht zu geschlechtslosen Greisinnen mutieren, führt das Gros der Seniorinnen dennoch ihr Leben weiter wie bisher – oft sogar noch aktiver: betreiben Sport, pflegen ein intensives Kultur- und Sozialleben und: sie schauen sich durchaus nach passenden Partnern für schöne Stunden um. Und: sie schauen aus wie vor zehn, zwanzig Jahren, vielleicht ein bisschen frecher, mit rot gefärbten Haaren, Bio-Kleidung und verwegenen Hüten, und sie sind flott mit dem Fahrrad unterwegs … Warum also nicht diese Realität abbilden – als Vorbild, sich fit zu halten bei der steigenden Lebenserwartung? |