"Alltagsmythologien" erschienen in: In den Systemischen Therapien versteht man unter Mythos ein Kompendium von Glaubenssätzen, die nicht in Frage gestellt werden dürfen. Meist verbirgt sich hinter ihnen eine Interessenslage, die nicht enttarnt werden soll, und oft werden diese Mythen noch durch romantische (oder dämonische) Propaganda verklärt bzw. verteufelt. Wer sich intensiv mit der Propaganda des Dritten Reichs beschäftigt, kann exakt nachvollziehen, wie konkret derartige Mythen perfekt aufgebaut wurden – mittels Legendenbildungen (die gab es schon immer: Heldengedichte, Nationalsagen und Märtyrergeschichten) aber auch mittels gezielter Denunziationen; diese wurden oft „wissenschaftlich“ verbrämt, wie etwa die Legenden über die angebliche genetische „Minderwertigkeit“ bestimmter „Rassen“. Sie stellen nur getarnte Ideologie dar; aber manche Unaufgeklärte halten noch immer an dem, was sie einmal „gelernt“ haben stur (oder, freundlich formuliert: treu) fest. Lernen kann auch als Schaffung von Neurosignaturen definiert werden – Gedächtnisspuren im Gehirn, die nur durch mehrfach wiederholtes Neulernen oder ganz massive Gegenteils-Erfahrungen (entweder heilsame oder traumatische Erlebnisse, dazu zähle ich auch die Folter der Gehirnwäsche) verändert werden. Die neuere computergestützte Gehirnforschung hat sogar aufgezeigt, wie wenige Gene unveränderlich sind – und wie z. B. durch Gewalterlebnisse genetische Veränderungen eintreten können. Prügel und Schläge gehören da dazu – sie schädigen nicht nur seelisch und organisch, sondern auch genetisch. Und dennoch finden sich immer Unbelehrbare, die behaupten, man „müsse“ Kinder körperlich strafen, damit sie sich „merken“, was sie nicht sollen (ohne zu lehren, was sie sollen, sofern sie dazu überhaupt altersmäßig in der Lage sind). Nur: „merken“ tun es sich nur die Zellen, in denen die Stresshormonausschüttungen eingespeichert bleiben (sofern sie nicht mit Hilfe von Psychotherapie ausgedrückt werden). Zu diesen Mythen gehört beispielsweise der von der Mutterliebe – eines der letzten großen Tabus. Die Vorstellung, eine Mutter könne ihr Kind nicht lieben, wird sofort abgewehrt, und die Tabu brechende Person attackiert, egal wie erfahren im Umgang mit den Seeletiefen sie auch sein mag. Man braucht eine/n Schuldigen, um die empörte (oder verwirrte) Erregung los zu werden. Im Falle des tot geschlagenen Luca ist es jetzt das Jugendamt als quasi übergeordnete Elterninstanz – obwohl Staatsbürger/innen wissen sollten, dass nur im TV Beamt/innen frei von Amtsstrukturen agieren (dürfen). Diejenigen, die primär den Totschlag werden verantworten müssen – die Mutter und ihr Lebensgefährte – werden dafür außer Acht gelassen. |