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"Beziehungsweise"
-->  Wiener Zeitung
Foto: Helmut Klein

"Kinderglück?"

erschienen in:
"Wiener Zeitung" – 16.11.2007

Wenn heute eine Frau ein Kind erwartet, erwarten die meisten Menschen, sie strahle vor Glück, daher wird ihr gratuliert und gefragt, "Was soll's denn werden?" Besser wäre aber die Frage, "Wie soll es nun werden?", denn mitnichten ist jede Fortpflanzung willkommen und bewältigbar.

Nun sollten zwar die Zeiten endgültig vorbei sein, in denen unaufgeklärte Frauen von unaufgeklärten Männern jedes Jahr ein Kind gemacht bekamen und meist nach dem ersten Dutzend Kinder körperlich erschöpft und seelisch ausgebrannt waren; Tatsache ist aber, dass trotz Sexualaufklärung laut Lehrplan der zweiten Klasse Volksschule noch immer viele Menschen – nicht nur junge! – den Gedanken an ihre eigene Fortpflanzungsfähigkeit vernachlässigen, und "nachher", nicht wie der Volksmund unkt, "gescheiter sind", sondern eher gescheitert. Sie trösten sich, dass "es" schon irgendwie gehen werde, anstatt für die Krisenfälle vorzusorgen, wo es eben nicht oder nicht mehr geht.

Seit Jahren kann man der Tagespresse Schlagzeilen entnehmen, dass "wir" mehr Kinder brauchen – oder mehr Beitragszahler für die finanzmaroden Sozialversicherungsträger; in Frauenzeitungen werden dazu Promifrauen mit Schwangerschaftsbäuchen bejubelt und Karrierefrauen mit ihrer Nachkommenschaft als Vorbilder präsentiert … Das vernebelt den Blick auf die Realität.

Die sieht nämlich so aus, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie nach wie vor primär nur für bildungs- und einkommensprivilegierte Frauen machbar ist, die sich Helferinnen organisieren können und nicht bösartig beäugt werden, wenn sie z. B. Vanillekipferln nur für Fotos im Zeitgeistmagazin selbst backen. Die Durchschnittsösterreicherin steht unter Kontrolle und Kritik nicht nur ihrer – oft selbst der Notwendigkeit einer Berufstätigkeit enthobenen, deswegen aber um nichts glücklicheren – Groß-, Schwieger- und leiblichen Mütter; und selbst wenn sie einen Partner hat, der die Zeit der schreienden Babies treu an ihrer Seite ausgeharrt hat, anstatt sich mit einer stets, weil kinderlos, verfügbaren Zweitfrau zu vertschüssen, bekommt der eher die Kündigung – wie unlängst in Tirol – als Freizeit, wenn er seine Vaterpflichten ernst nimmt.

Das glückliche Leben mit Kindern findet vor allem im Werbefernsehen statt. In der Realität werden derartige Illusionen in der Zeit heftiger Verliebtheit gepflegt – von Frauen, die sich damit Wertschätzung, Entlastung von ungeliebten Berufen und Dankbarkeit des Partners erwarten – oder finanzielle Entlastung durch Familienbeihilfen. Dass sie dann oft die Nerven verlieren, wenn sich die trügerische Hoffnung enttarnt, zeigt nur, dass lediglich Propaganda fürs Kinderkriegen noch lange nicht Probleme löst, sondern eher neue schafft.


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