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"Beziehungsweise"
-->  Wiener Zeitung
Foto: Helmut Klein

"Verführung"

erschienen in:
"Wiener Zeitung" – 02.11.2007

Da lese ich doch unlängst, Unterwäsche sei sein "verführerischer" Bestandteil der Garderobe. Bei Frauen wohlgemerkt. Aber wer wird dadurch verführt, stellt sich die Frage – alte Herren, die sich ihre Partnerin in Bordell-Kleidung wünschen? Oder frau selbst – hart an der Grenze zur Kaufsucht? Es können doch nicht immer nur Schuhe sein, an denen man pars pro toto Eigenliebe übt … Benger Feinripp in Weiß, wie es Calvin Klein vor einigen Jahren auch für Frauen propagierte, wirkt doch eher abtörnend.

Üblicherweise investieren Frauen in Reizwäsche als "Kampfkleidung", wenn sie auf Eroberungsfeldzug sind, und erfüllen damit das huriöse Moulin Rouge-Klischee, wie es Toulouse-Lautrec der Nachwelt überliefert hat. Mieder und Wespentaille als Signal des "nicht schwanger", die Rüschen hingegen als Erinnerung an die Beinakrobatik des Cancan – "Schau her, wie weit ich meine Beine spreizen kann!"

In ihrem Buch "Die neue Macht der Frauen – Sieg der Emanzipation oder Krise der männlichen Eliten" kritisiert Trautl Brandstaller die Propagierung der so genannten "neuen Weiblichkeit": "Fernsehserien mit weltweiter Werbung transportierten das "neue Frauenbild", das identisch mit dem ganz alten Frauenbild war, allerdings neu gestylt und den Erfordernissen der neuen Zeit angepasst. Immer schon ließ sich am Frauenbild der Film- und Fernsehindustrie der Entwicklungsstand der Geschlechterrollen und der wirklichen Machtverhältnisse ablesen. Mitte der Achtzigerjahre feierte die Medienindustrie die ,Rückkehr der Tussi', wie es die österreichische Journalistin Doris Knecht formuliert. Zwar ist die ,Tussi' berufstätig und karriereinteressiert, aber ihre wahren Probleme liegen im Männerfang …" zumindest bei den Girls in "Sex and the City". Dass diese vor allem auch als Werbeträgerinnen für US-Mode dienen, wird dabei übersehen. Die Alleinerzieherin, deren Kindsvater sich mit einem Neumodell vertschüsst hat, soll ja was zum träumen haben … jedoch: "Die neue Idealisierung der ,Liebe', die Verklärung der alten Frauen- und Männerrollen, die Vertuschung der Machtfrage, die in jeder Beziehung dominiert, solange die gesellschaftliche und politische Macht nicht gleich verteilt ist … diese Rückkehr zu den alten Vorstellungen von Liebe, Herrschaft und Unterwerfung steht im krassen Gegensatz zu den aktuellen ökonomischen Entwicklungen."

Wer verführt also wen und wozu? Wohl nicht die Frau einen "Bachelor" oder gar "Big Spender", sondern die hinter dem Trugbild des vermeintlichen "Mr. Right" Umsatz heischende Mode- und Kosmetikindustrie die Käuferinnen. Aber den hygieneresistenten Alltagsmacho im Netzleiberl zu umwerben, ist denen wahrscheinlich nicht Erfolg versprechend genug.


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