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"Beziehungsweise"
-->  Wiener Zeitung
Foto: Helmut Klein

"Power-Paare"

erschienen in:
"Wiener Zeitung" – 23.03.2007

Früher, als auch bei uns noch die Eltern ihre Kinder – und das oft mit viel Zwang – verheiratet haben, war entscheidend, wie die Äcker zusammen passen oder die Staaten … die Bodenschätze oder der Zugang zum Meer. Frauen mussten gut haushalten können, war ja die Vorratshaltung schon eine eigene Wissenschaft, gut Socken stricken und auch Unterhemden, vor allem aber brav sein, d. h. nicht zurückreden. Da musste schon eine so schön sein wie die widerspenstige Katharina bei Shakespeare, dass sich ein wagemutiger Galan das prognostizierbar temperamentvolle Zusammenleben "antat"…

Heute sind in unseren Breitengraden viele Frauen in einer Weise gebildet, wie man(n) es sich vor 150 Jahren nicht vorstellen konnte (und wollte), sind eigenständig, wirtschaftlich wie gedanklich … und trennen zwischen Arbeit und Liebe; man muss sie nicht mehr manipulieren, aus angeblicher Liebe unbezahlt und unterwürfig zu arbeiten, da warnt schon die Gewerkschaft davor.

Dafür gibt es ein Phänomen, das nenne ich das "Angelique-Syndrom" nach der Romanserie von Anne Golon, in der die schöne und kluge Titelheldin vielfältige Gewalt erlebt und ihr Ehemann, der geheimnisvolle Graf Peyrac, noch viel mehr, weil der König so viel gepaarte Begabungen nicht erträgt. So geht es heute vielen Power-Paaren: Man versucht sie zu trennen, zumindest einen von ihnen auszuschalten und der ist meistens die Frau.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie viel Misstrauen die ehemalige Wiener SPÖ-Vizebürgermeisterin Gertrude Sandner umgehängt bekam, als sie den ÖVP-Gemeinderat und Gastronomen Fröhlich ehelichte; damals zog er sich ihrer Karriere zuliebe aus der Politik zurück. Aber das war vor gut einem Vierteljahrhundert! Inzwischen sollten doch auch diejenigen, denen üblicherweise zumindest minutenweise der Verstand nach unten sinkt, wenn sie verliebt sind, bemerkt haben, dass in den seltensten Fällen Gefühlsüberschwang zu Verlust von Vernunft und Verantwortung führt – ganz im Gegenteil: Wenn das selten genug einmal vorkommt, haben selbst Laien die psychiatrische Diagnose Hörigkeit zur Hand, eben weil sie merken, dass hier ein tragisches Ausnahmeverhalten Platz greift.

Vielleicht liegt es daran, dass die SPÖ-Politpaare der Wiener Stadtverwaltung dank des variablen Namensrechts getrennte Namen tragen: Von Ex-Wohnbaustadtrat und nun Infrastrukturminister Werner Feymann und Gattin Gemeinderätin Martina Ludwig über Ex-Gemeinderat und nunmehr Nationalratsabgeordneten Andreas Schieder und Ehefrau Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, Kulturstadtrat Mailath-Pokorny samt Gemeinderatsehefrau Kato bis zu Klubobmann Oxonitsch und Gattin Umweltstadträtin Ulli Sima … Zu meiner Zeit als Wiener Bezirksrätin und Gemeinderatskandidatin wurden solche Parallel-Karrieren sofort verhindert – aber damals gab es eben auch das hilfreiche Namenswahlrecht noch nicht.

Es ist zu hoffen, dass sich auch im ORF die Ansicht durchsetzt, dass Liebe nicht Verhaberung bedeutet, und dass Frauen eigenständig denken und nicht vom Partner ferngesteuert.


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