Männerstolz erschienen in: Ein üppiges Dekolleté, sagt man, gehört für die meisten Männer zu den schönsten Dingen des Lebens – mit oder ohne Wonderbra. Das erklärt auch, weshalb manche Magermodels deutlich erkennbare Silikonbrüste aus weit offenen Blusen heraus "kugeln" lassen – es soll vielleicht keiner, wie in dem albernen sexistischen Witz, seine Visitkarte in den Ausschnitt hinein stecken wollen, "weil niemand zu Hause angetroffen worden ist". Nun hat der Wonderbra ein Geschwister bekommen: den Wonderjock. Er sorgt, so lese ich, für die nötige "Unterweite" bei körperbewussten Herren. Ein ausgeklügelter Schnitt – so der Designer – hebe nämlich die leibhaftige Männlichkeit nach oben statt sie wie bisher nach untern hängen zu lassen. Gustav Meyrinck fällt mir ein, der in der Novelle "Izzi Pizzi" (aus der Novellensammlung "Des deutschen Spießers Wunderhorn") den spöttischen Mädchenverführer nach gelungener Blamage seines Opfers vergnügt vor sich hin pfeifen lässt: "Denn die Rose – Und das Mädchen – Will betro – gen – Sein". In Mittelalter und Renaissance waren es Hasenpfoten, die sich schwach bestückte Galans an anatomisch markanten Stellen in die Beinkleider platzierten um das angeblich schwächere Geschlecht zu beeindrucken. Und von Errol Flynn geht die Legende, dass er sich in der Rolle als Robin Hood zusätzlich noch mit falschen Waden in der Trikothose den Anschein eines wohl trainierten Unterleibs erschwindelte. Verhaltenspsychologen versuchen uns dann davon zu überzeugen, dass dies Überbleibsel aus der Urzeit des Menschen wären, in denen noch das größte und stärkste Männchen die besten Weibchen heim schleppen konnte und allein durch seine optischen Attribute die schwächlicheren Konkurrenten in den wohl berechneten Rückzug trieb. Demgegenüber erinnere ich mich, dass im Rahmen der Enquete der Ersten Wiener Sexualberatungsstelle am 4. Oktober 1990 der damalige Vorstand des Instituts für Psychologie der Freien Universität Berlin, witzigerweise vom Ursprungsberuf Zoologe, launig schilderte, wie eben die Hirsche mit den größten Geweihen und Fettpolstern im Gestrüpp des Waldes hängen zu bleiben pflegten, daher die scheinbar Unterlegenen durchaus einen Wettbewerbsvorteil erlangten … Aber auch bei Menschenweibchen zeigt sich oft eine karitative Ader, die Frauen dazu treibt, sich Männer mit kleinen oder größeren Fehlern auszusuchen – einerseits, weil die weniger bedrohlich erscheinen, andererseits um sie ausgiebig bemuttern = Macht über sie ausüben zu können. Dennoch hält sich der Mythos von der Größe des weiblichen bzw. männlichen "Vorbaus" hartnäckig – er wird ja auch medial immer wieder zitiert. Der Zoologe Desmond Morris hingegen meint, der weibliche Po – und ich ergänze: auch der männliche! – sei der urtümliche Eye-Catcher. |