Jugendtorheiten erschienen in: Üblicherweise sind es die Nacktfotos von Jungschauspielerinnen – selten auch mal ein Mann dabei – welche die Abgebildeten später gerne vernichtet sähen. Sogar die Hotelerbin und als so genanntes "Partyluder" berühmt oder besser berüchtigt gewordene Paris Hilton, die, wenn man den Zeitgeistmagazinen glauben darf, "keinen Genierer kennt", kündigt neuerdings rechtliche Schritte an, wenn ihre "Privatpornos" den Weg ins Internet finden. Ja, manche Wege sind mehr als krumm. Allerdings: "Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will", weiß der Volksmund, und so krümelt sich manches Sternchen, das ein Star werden wollte, auf rotem Satin wie weiland Marilyn Monroe, als sie noch Norma Jean Baker war, und wer die Gepflogenheiten der – leider noch immer existierenden – "Besetzungs-Couch" kennt, weiß, warum solche Fotos nicht nur – meist dringend benötigtes – Geld einbrachten, sondern oft auch Bekanntschaft mit einflussreichen "Produzenten". Andere möchten sich lieber verkrümeln, wenn plötzlich Fotos auf törichten Jugendzeiten auftauchen bzw. wenn sie dazu hochnotpeinliche Befragungen durchstehen müssen. Da zeigen sich dann ja auch Steher-Qualitäten. Stehen – aber wozu? Zu wem? Und wem gegenüber? Die Antwort auf all diese Fragen lieferte vor Jahren das Nachrichtenmagazin profil, als es mit dem Slogan "Die Rache der Journalisten ist das Archiv" um Leserschaft warb. Dass profil getreu diesem Wahlspruch immer neue Bilder der allzu menschlichen Unzulänglichkeit von Politikern veröffentlicht, erfreut so manch ohnmächtiges Untertanenherz – oder es ängstigt. Denn, Hand aufs Herz, wer hat nicht in seiner Jugend mal den Falschen geküsst? Den Boden in Moskau etwa? Oder eine wohlberingte Kirchenfürstenhand? Oder auch nur die Erbtante? Von zahllosen Lovern, Gspusis und Trostfrauen abgesehen …? Mal aus Spaß, mal aus G'hört-sich, mal aus Berechnung, Beglückungserwartung, Gruppendruck oder auch nur aus Ohnmacht … Hinter all dem stecken entweder Existenzängste: Wir glauben dann ohne Zugehörigkeit zu einer größeren Macht – den Eltern, der Kirche, Sekte, politischen Partei oder auch "nur" einem "Retter Mann" – nicht überleben zu können (oder zumindest nicht so luxuriös wie "Gott in Frankreich" oder aber Elstner an der Cote d'azur). Oder, im Gegenteil, mehr oder weniger bewusstes Streben nach Macht und Anerkennung (und damit auch wiederum Strategien gegen das machtlos Ausgeliefertsein an "die Mächtigen"). Auch wenn Altkanzler Vranitzky sich als Oberpädagoge der Nation anmaßt, jungen Männern (!) generell Jugendtorheit abzusprechen – ich maße mir nach über 40 Jahren beratender, therapierender und unterrichtender Berufserfahrung an, das Gegenteil zu behaupten. Vor allem Männer sind für solche Torheiten anfällig, nicht nur mit 20, sondern ebenso mit 40, 60 oder auch 80. Das liegt am traditionellen Männerrollenbild des heldenhaften ewigen Draufgängers – auch wenn der letztlich auch drauf geht – und das wird immer noch propagiert: in Filmen, in Sport und Spiel, in fast allen Krisenberufen, am Stammtisch. Aber auch von Rednerpulten. Vor vierzehn Tagen hörte ich den Vortrag eines hochrangigen Wirtschaftsbosses, der, gespickt mit sexistischen Witzchen, "seine" Erfolge in Osteuropa referierte. Die anwesenden Spitzenpolitiker lachten und applaudierten. Die wenigen anwesenden Frauen schwiegen. Ich auch. Diskussion war ja auch nicht vorgesehen – persönliche Kritik schon gar nicht. Dennoch finde ich es schon als großen Fortschritt, nicht unbedacht mitzutun, sondern auf eine passendere Gelegenheit für Widerspruch zu warten. |