Selbstheilungsversuche erschienen in: Manche Menschen wollen nur die schönen Dinge im Leben sehen – oder das, was sie dafür halten. Sie schützen sich damit vor eigenen Ängsten – beispielsweise vor unangenehmen Gefühlen wie sie durch Gedanken ans Altern ausgelöst werden und Befürchtungen oder auch Erinnerungen an Statusverlust und andere narzisstische Kränkungen. Manche suchen sich dann eine jüngere Partnerperson und hoffe so, aus quasi zweiter Hand "erneuert" zu werden. Andere suchen die "erste Hand", nämlich die des Schönheitschirurgen und verzweifeln, wenn das Ergebnis nicht so aussieht, wie es ersehnt wurde. "Schneiderei" auf Bestellung birgt immer ein gewisses Risiko in sich – egal wie kompetent der Schneidermeister ist. Psychoanalytisch gesehen steckt dahinter eine Form von Realitätsverweigerung: Man will sich nicht akzeptieren, wie man ist – mit all den Beschränkungen, Unzulänglichkeiten, Schattenanteilen. Und man will nicht akzeptieren, dass andere einen nicht so akzeptieren, wie man ist. Ist es bei Frauen der Verlust der Silhouette anmutiger Mädchenhaftigkeit – meist nach Entbindungen oder im Wechsel – den ihre Partner oder besser Eben-nicht-Partner benörgeln, kritisieren Frauen umgekehrt oft das Versagen des Mannes als Held, Beschützer, Liebhaber – oder einfach nur respektvoller Gesprächsteilnehmer. Genau darin zeigt sich die narzisstische Bedürftigkeit: dass man jemand anderen braucht, um sich mit ihr oder ihm zu schmücken. Oder etwas anderes. Etwas, das den Zuckerspiegel hebt. Ein Frust-Achterl. Oder zwei – weil "auf einem Fuß kann man nicht gut stehen". Oder drei, weil das bekanntlich ja "aller Guten Dinge sind"… Ein Grund fürs Saufen findet sich immer. Für's eigene. Denn bei Jugendlichen ist es natürlich eine Katastrophe, wenn sie sich als Kampftrinker profilieren. Da heißt es dann: "Von wem hat das Kind das nur? Von miiir sicher nicht …" Substanzmissbrauch kann auch als missglückter Selbstheilungsversuch gegen ungute Erfahrungen angesehen werden – ebenso wie die prozesshaften Abhängigkeiten zur Stimulierung bzw. Steigerung von Glückshormonausschüttungen. Dahinter stecken Depressionen – und dahinter Selbstablehnung. Und dahinter die Ablehnung durch wichtige Bezugspersonen – egal ob aus der Kindheit oder aus der Arbeitswelt, aus der Partnerschaft oder aus der Gesellschaft allgemein. Und diese Ablehnung – Diskriminierung, Stigmatisierung – wird medial vermittelt. Also doch lieber lernen, sich selbst auszuhalten – in "guten wie in schlechten Zeiten"?
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