Alle Jahre wieder erschienen in: Advent – wörtlich übersetzt "die Zeit des Herankommens" und damit der Erwartung, begann heuer mit einer – künstlich hoch gespielten? – Frage: Nikolo oder Weihnachtsmann – wen lassen wir herein? In die Wiener Kindergärten nämlich. Vom Krampus war weniger die Rede – dabei ist doch er derjenige, den man lieber draußen hätte … und ob man ihn als "Roten" oder "Schwarzen" definiert – das Vorweihnachtsduo der Folklore steht heuer ganz im Schatten des potenziellen Regierungsduos, Rute im Fenster inbegriffen. Der Begriff Weihnachtsstress hat heuer eine staatsbewegende Dimension zusätzlich: vor Weihnachten noch eine neue Regierung? Schaffen die das? Und was alles sonst noch vor Weihnachten erledigt werden soll: die Bürofeiern, die Geschenkseinkäufe, das Keksebacken, Verwandtenbesuche, die Punschstandspausen, "Motto Saufen für einen guten Zweck" – bald wird es wohl auch noch heißen "Rauchen für einen guten Zweck", dann, wenn man nur mehr auf der Straße rauchen darf … und zuviel Essen … und die folglichen Entgiftungsaktionen … alles Zeitverlust, der irgendwo wieder eingeholt werden soll. In den Weihnachtsfeiertagen natürlich. Aber da soll man ja Weihnachtsurlaub machen, und wenn's keinen Schnee gibt, dann halt in der Karibik … oder daheim (und das ist nur zu oft das Büro!) die Altlasten des Jahres aufarbeiten … alles Stress. Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll, der heuer am 24. Dezember sechzig Jahre alt wird, feiert diesen Geburtstag schlauerweise die Woche vorher im Rahmen des traditionellen Adventmarkts in seinem Heimatort. Synergie heißt das dazu gehörige Zauberwort: möglichst viel Zusammenpassendes zusammenlegen: Advent, Familie, Freunde, Geburtstag heißen die Worte rund um den abgebildeten Keksstern, der seine Einladung ziert. Vielleicht sollten wir ihm das nachmachen: nicht von Termin zu Termin hetzen sondern einen Mittelpunkt wählen und dorthin einladen … so wie auch die Kirchen einladen. Vor allem auch die, die keine Familie, keine Freunde haben. "Wenn sich Erwachsene" – wieso nur Erwachsene? – "beim Schlafengehen einsam, traurig oder von der Ereignissen des Tages überfordert fühlen, weisen sie am nächsten Morgen einen höheren Pegel des Stresshormons Cortisol auf", fand ein Forscherteam heraus, wie unlängst in science.ORF.at zu lesen war. Wir denken bei Stress immer nur an Zeitdruck und hohe Leistungsanforderungen – nicht aber an den Kraftaufwand, den es braucht, um mit Isolation, Ablehnung, Kommunikationsverweigerung fertig zu werden. Nicht nur der eigenen. Denn auch Psychotherapeuten und andere Seelsorger spüren diese Form von Stress – vorausgesetzt, sie fühlen mit (und schotten sich nicht ab und verstärken so die ohnedies vorhandenen Verletzungen). Daher wäre jetzt die passende Zeit, statt zu hetzen oder zu funktionieren den Mut zu zeigen, (ohne Drogeneinsatz!) zu fühlen. |