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"Beziehungsweise"
-->  Wiener Zeitung
Foto: Helmut Klein

Vor-Bilder

erschienen in:
"Wiener Zeitung" – 02.12.2006

Sowohl das Wort Idol wie auch Ideal stammt vom altgriechischen „eidolon“  – das Bild. Aber während das Ideal das Bild angestrebter Vollkommenheit bedeutet, steht Idol für Götzenbild – es wird kritiklos angebetet.

Ideale sind heute eher selten – zu wenig Zeit, sich welche zu suchen; aufdrängen tun sie sich auch nicht, und propagiert werden nicht Tugenden und ihre Träger/innen, sondern „Pop-Ikonen“ – und deren Verhalten ist oft alles andere als vorbildhaft. Ja selbst Regierungsmitglieder und solche, die es werden wollen, zeigen international – „bei uns in Bagdad“ ist das natürlich alles ganz anders! – Verhaltensweisen, die man den eigenen Kindern am gemeinsamen Tisch nicht durchgehen lassen würde – oder?

Wenn man nämlich Fehlverhalten unkommentiert durchgehen lässt, nehmen das viele als Bestätigung, dass „eh alles o.k.“ ist.  So wie Vater und Mutter miteinander umgehen – oder dieser unsägliche Tom mit Kate Moss – oder der Chef mit seinen Mitarbeitern – oder Naomi Campbell mit den ihren – das alles hat Vorbildcharakter. Und manche nehmen sich mangels dezidierter Ideale diese Idole der Werbebranche als Vorbild – oder auch den Ego-Shooter aus dem Brutal-Video.

Das Idol – der Götze – heißt Macht und spiegelt unser aller Machtlosigkeit: Um nicht vor Angst vor Machtmissbrauch und Gewalt zu vergehen, schlagen sich viele an die Seite der Reichen und Mächtigen, Skrupellosen und Gewalttätigen, schalten ihr Hirn aus, um nicht wahrzunehmen, wen und was sie da verstärken und meinen, so aller Verantwortung zu entgehen. Zumindest der irdischen.

Wer ein Idol mit seiner Energie füttert, entleert sich selbst. Da sind Entzugserscheinungen und anschließende Depressionen nicht fern – also wird die Dosis erhöht. Wer sich hingegen selbst zum Idol stilisiert, entfernt sich immer mehr von den „ganz gewöhnlichen“ Mitmenschen – aber das will er oder sie vermutlich auch. Nur nicht zu den „Stinos“, den Stinknormalen, gehören!

„Bruder lass’ den Kopf nicht hängen, kannst ja nicht die Sterne seh’n“ heißt es im Kinderfreunde-Lied. Ein wichtiger Appell an die Hoffnungslosen, Geknechteten, Gedemütigten – aber keine Anleitung für Hans-guck-in-die-Lufts, die vor lauter Star-Bewunderung nicht mehr sehen, wohin sie treten: weg vom eigenen Potenzial und auszubauenden Lebensweg, in einen Abgrund der (finanziellen?) Selbstschädigung  vielleicht oder gar auf hindernde kritische Nachbarn. Weg also vom PR-designten Trugbild der Kunst-Person, hin zu nachahmenswerten Tugenden … auch wenn meist „fad“ sind.


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