Körpersprache erschienen in: Immer dann, wenn sich jemand unsicher fühlt, ist er offen für die Angebote von Hexen(meistern), Sterndeutern, Giftmischern oder Verkäufern anderer so genannter Geheimlehren. Damit kein Missverständnis entsteht: Ich schätze diese "parapsychologischen" Künste durchaus, kenne mich mit manchen recht gut aus, habe viele Freund/innen in diesen Kreisen und noch mehr Klient/innen und meine in bester jungianischer Tradition, dass es auch für wissenschaftlich fundierte Fachleute keine Schande ist, sich mit den – noch? – nicht wissenschaftlich anerkannten Disziplinen auszukennen und zu wissen, welche Vertreter als seriös einzustufen sind und welche eher nicht. Zu diesen Geheimlehren gehören auch die beliebten Seminare oder Bücher über Körpersprache. Die mag ich weniger. Denn auch wenn beispielsweise ein hervorragender Pantomime weiß, wie er bestimmte Gefühle ausdrücken würde, damit sie andere erkennen können, so heißt das noch lange nicht, dass eine bestimmte Kombination von Gesten, Körperhaltungen oder Gesichtsausdrücken nur "das eine" bedeutet. Nehmen wir beispielsweise die vor der Brust verschränkten Arme. In zahllosen Managementseminaren wird das als "Abwehrhaltung" erläutert. Keiner sagt, dass das ebenso Folge von Magenschmerzen sein kann, von Kälte im Raum, Menstruationsbeschwerden oder einfach einem abgerissenen BH-Träger … Es ist umgekehrt: Wir reagieren auf die "Ausstrahlung" – die bioelektrische Gehirntätigkeit – anderer mit unseren "Spiegelneuronen" und dann deuten wir je nach unserem körpersprachlichen "Vokabelheft" – und in dem tummeln sich ebenso die Fehler wie im Englischheft der frühen Schuljahre … Wichtiger finde ich, auf die nonverbalen Revierverletzungen zu achten: Wer schiebt wem was in den persönlichen Raum (z. B. schmutziges Geschirr!), legt seine Aktentasche ohne Fragen auf fremde Schreibtische, klopft auf die Schulter, fasst an den Arm – und: dürfte man das auch umgekehrt? So werden nämlich subtil (und oft unbewusst, dennoch wirksam) Grenzen ausgelotet: Was lässt sich der, meist die andere gefallen? Die Studien dazu stammen aus der Beobachtung des Berührungsverhaltens von weißen gegenüber farbigen Amerikanern, von Männern gegenüber Frauen (Nancy Henley, "Körperstrategien") – und von Gewalttätern, die ihre potenziellen Opfer austesten (Gavin de Becker, "Mut zur Angst"). Deswegen sollten wir wohl mehr auf unsere eigene "Organsprache" – das "ungute Gefühl" achten als zu versuchen, "Experten" (sprich Besserwisser) in der Deutung fremder Körpersprachen zu werden. |