Positiv denken erschienen in: Es gibt bestimmte Formulierungen, an denen man erkennen kann, ob jemand ein Profi ist oder ein angeberischer Imitator. Das Wort „unterbewusst“ gehört dazu: richtig heißt es „unbewusst“: Sigmund Freud hat in seinem Seelenmodell „bewusst“ von „vorbewusst“ (diese Selbstwahrnehmung kennen wir von diesem Blockadegefühl „Es liegt mir auf der Zunge …“) und „unbewusst“ unterschieden. In der englischen Übersetzung von „unbewusst“ in „subconsius“ und Rückübersetzung ins Deutsche durch Nicht-Psychoanalytiker wurde dann „unterbewusst“ daraus – aber das ist nicht Fachsprache. Etwas ähnliches fand ich in einem Lebenshilferatgeber unter dem Namen „die Technik des ,gebrochenen Rekords’“ (broken record) – wieder so eine Fehlübersetzung: die Technik lautet richtig „Schallplatte mit Sprung“ und gehört zu den klassischen Selbstbehauptungsmethoden: Egal, was der andere sagt, man wiederholt immer wieder die gleiche Antwort, etwa „Kannst du heute Abend auf meine Kinder aufpassen“ – „Nein, ich habe etwas anderes vor!“ – „Geh bitte, nur heute!“ – „Wie ich schon sagte: ich habe etwas anderes vor.“ – „Geh sei nicht eklig – passe mir bitte auf!“ – „Es tut mir leid, aber wie ich schon sagte, ich habe etwas anderes vor …“ und so fort … Ähnlich enttarnen sich Ignoranten, wenn sie unter der Technik des „Positiv Denkens“ glauben, sie bestehe darin, statt zu jammern in den Spiegel zu grinsen. Wenn man depressiv verstimmt ist, gelingt einem das nicht – das können maximal professionelle Schauspieler! Im Gegenteil: Aus professioneller psychotherapeutischer Sicht ist Jammern der erste Schritt zur Seelen-Reinigung“ – nur die Nächsten nervt es halt, und das, weil sie dann spüren, dass sie auch Grund zum Jammern hätten, sich das aber nicht erlauben. Darüber hinaus aber „reinigt“ auch die Beweglichkeit der Mundmuskulatur von Seelenmüll – sozusagen als Gegengewicht zum „Zähne zusammen beißen“ und „Ohren steif halten“. Es wäre daher hilfreich, Grimassen zu schneiden – egal ob vor dem Spiegel oder wo auch immer, halt nicht in Gegenwart des Chefs … Dabei muss man aber wirklich in die Mundregion hineinfühlen und diese Bewegungen so lange machen, bis man merkt, dass sich das „bamstige Gefühle“ – Fachausdruck „depressive Maske“ – zu lösen beginnt. Man muss den Sinn einer Methode verstehen, damit man ihren Erfolg kontrollieren kann! „Positiv Denken“ hingegen bedeutet, negative Gedanken („Oje, das wird nichts Gescheites!“) zu erkennen und ins Positive („Mal schauen, was draus wird …“) zu kehren. |