Zeit für sich erschienen in: Im Werbefernsehen treten die Powerfrauen mit L’Oreal-gepflegten Mähnen auf, üben den Geisha-Blick mit superlangen Wimpern, schupfen souverän Job, Haushalt, Kinder und mindestens einen anspruchsvollen Lover (denn so wie langgediente Ehemänner räkeln sich die Partylöwen und Romantisch-Dinierer nicht auf der Couch …) und sie sind nie verschwitzt, grantig oder depressiv. Nur mit der Verdauung hapert es manchmal. Aber da hilft ja Activia – sagt zumindest die beste Freundin. In der Realität haben Powerfrauen kurze Haare, weil keine Zeit fürs Fönen, fürs Dreifachwimperntuschen auch nicht, Haushalt ist auf ein Minimum reduziert, Kindersegen verhütet und sogar der Lover ist oft auch schon entsorgt. Zu viel Anforderungen, zu viel Leistungsdruck, zu viel Stress. Jede freie Minute wird zur Regeneration gebraucht … Soeben habe ich eine Beratungsstunde mit einer Endzwanzigerin abgeschlossen: Der Freund hat sich nach 3jähriger Beziehung vertschüsst, das gemeinsam geplante Haus hat er ihr, der Eigentümerin, halbfertig hinterlassen, und 50.000 Euro ist er ihr auch noch schuldig. Was sie falsch gemacht habe, fragt sie mich, warum er sie immer runter gemacht habe, nie zufrieden war … Weil sie eine reale Frau ist, mit Forderungen und Kritik, antworte ich, nachdem ich mir Überblick verschafft habe – und nicht so ein virtuelles Superweib wie die Barbies aus dem Glotzkisterl. Was sie aber nun gegen den Seelenschmerz tun könne, fragt sie weiter. Sich selbst verwöhnen lassen, antworte ich: so wie ein König, der aus dem Krieg heimkehrt, gebadet, gesalbt, massiert, mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt wird. Weil sie es wert ist. Manchmal kann frau ja auch was von Männern lernen. Ansprüche stellen etwa. Auch wenn kein Butler einer die Wünsche von den Augen abliest und Casanova schon lange tot ist – wo kein liebestoller Lover Minnedienste anbietet, schaffen immer noch die Berufsliebhaber/innen Ersatz: mit der breiten Angebotspalette der kosmetischen und gastgewerblichen Berufe. Ein Wochenende in der Therme Laa reicht schon, um sich nicht mehr als verlassenes Nullerl zu fühlen sondern als Grätzel-Kleopatra. Ein Nachmittag in der Sauna tut’s aber auch … Das Geheimnis besteht darin, verausgabte Energien wieder zu sich zurück zu holen – so wie den Gartenschlauch, den man wieder aufrollt. Sich selbst nähren, aufbauen – dann hat man auch wieder was zum Herschenken, und nicht andere um Nahrung anbetteln und sich dafür verachtungsvoll niedermachen lassen. (Gilt übrigens für männliche Kümmerer mit Helfersyndrom genau so!). |