Der ISch erschienen in: Schön ist er nicht und beliebt auch nicht, der Innere Schweinehund, kurz ISch. Nur Maria Rauch-Kallat herzt ihn von Zeit zu Zeit medienwirksam – damit man ihn nicht ignoriert, sondern diszipliniert. In seiner Plüschform geht das ja auch leicht … In seiner Alltagsform macht er sich eher als ewig schlechtes Gewissen bemerkbar: schon wieder zu viel gegessen, schon wieder zu viel Alkohol getrunken, schon wieder zuviel geraucht, schon wieder keine Bewegung gemacht, schon wieder stundenlang dumme TV- Sendungen geglotzt, schon wieder gereizt die Kinder angeschnauzt – oder deren Erzeuger/in – oder die Mitarbeiter/innen – oder die Straßenkameraden; irgendwas findet sich immer, mit dessen Hilfe man so richtig schweinisch sein kann … und damit so ganz anders sein kann als es dem eigenen Idealbild entspricht … Der ISch hat aber auch Prinzipien: z. B. das so genannte Mañana-Prinzip. Es lautet: Was du morgen kannst besorgen, das verschiebe nicht auf heute – es könnte ja irgendein Heinzelweibchen (seltener -männchen) inzwischen für dich besorgt haben. Eltern, vor allem Mütter!, predigen es meist anders: Sie wissen, wer das Heinzelweibchen sein wird, das die liegen gebliebene Arbeit ausführen wird … In Managementtrainings erfährt man es aber andersrum: da wird den Teilnehmer/innen, die über zu viel Arbeitsanfall und ständig wachsende Informationsflut klagen, genau dazu geraten: sich nämlich zu fragen: 1. Muss ich die Arbeit sofort machen – oder kann ich sie liegen lassen? Das Geheimnis liegt vor allem im automatischen Gehorsam: Es kommt etwas auf einen zu und man tut schon, was die anderen von einem wollen. Dass dieses Verhaltensmuster aus der Kindheit stammt, leuchtet ein. Dass aber auch der bockige Widerstand ein Rest pubertärer Auflehnung ist, hören die wenigsten gerne … Es gilt also zu prüfen: wem nützt der ISch? Werde ich in seinem Gefolge gesünder, schöner, glücklicher? Oder übernehme ich schon wieder Verantwortung für das Wohlbefinden anderer in einer Weise, dass die keine Eigenverantwortung übernehmen müssen? Der ISch hat ein Doppelgesicht: Er stört oft die anderen, hilft einem selbst aber manchmal zu mehr Entspannung, Genuss oder auch Lebensqualität. In einer Zeit, wo Stresserkrankungen immer mehr zunehmen, brauchen wir ihn – vielleicht morgen? |