Stimmgewalt erschienen in: Als ich vor einigen Jahren bildungswillige Ärzte und Ärztinnen in der so genannten „Kommunikationswerkstatt“ – einer Initiative der Pharma-Firma Grünenthal – trainierte, pflegte ich diese viertägige Fortbildung so zu beginnen: Ich bat die Anwesenden, sich eine Stimme in Erinnerung zu rufen, die ihren Namen rief. Wie zu erwarten, lieferte das akustische Gedächtnis die Stimmen der Bezugspersonen der frühesten Kindheit mit barschen Tönen, Befehlen, Verboten und Tadel. Dann bat ich, sich mit dem mentalen Ohr eine Stimme vorzustellen, wie sie gerne gerufen würden – und seliges Lächeln zog über die zuvor noch sorgenvoll verzerrten Gesichter. „Der Ton macht die Musik“ weiß der Volksmund, aber daran halten tun sich kaum jemand. Selbst in der Balz herrschen Männer ihre angeblich Angebeteten an – man(n) kommt sich ja lächerlich vor, wenn man(n) flötet. Dabei habe ich bereits in meinem Longseller „Ungeduld des Leibes – Die Zeitrhythmen der Liebe“ (Orac) darauf hingewiesen, dass die meisten Frauen angeschnurrt werden wollen – nicht abgetatscht. „Nie sagt er was Liebes“ lautet eine oft gehörte Frauen-Klage in der Paarberatung, und die dazu gehörenden Männer ächzen dann gequält: „Was soll ich denn sagen?!“ Dann kläre ich immer wieder auf: Es geht nicht um’s Was, es geht um’s Wie. Es reicht ein gutturales „Du … duuuu …“! Auch in etlichen psychotherapeutischen Schulen beinhaltet die kunstvolle Methodik eine bestimmte Art des Sprechens, sprich Atmens. In der Hypnotherapie nach Milton Erickson etwa redet man die Klientenschaft in eine sanfte Trance, scheinbar unabsichtlich, in Wirklichkeit aber, um die zensierende Aufmerksamkeit auszuschalten und neue Inhalte direkt ins Unbewusste einsickern zu lassen. Bei den Brüdern Grimm heißt es ähnlich „Einäuglein schläfst du? Einäuglein wachst du?“ und weg ist die jeweilige Tochter, die Einäugige, die Zweiäugige, geplant auch bei der Dreiäugigen … aber die Hexenziege oder Ziegenhexe verplappert sich doch einmal und singt bei dieser der drei Schwestern bei der Schlafsuggestion ein Auge zu wenig an … Erfahrene Eltern wissen ja auch, wie sie ihre winzige Nachkommenschaft in Schlaf flüstern müssen – und ja nicht bellen dürfen „Jetzt schlaf endlich sonst knallts!“ In meinem Buch „Sein wie Gott – Von der Macht der Heiler“ (erhältlich nur mehr bei mir iss@perner.info!) habe ich diese Suggestivtechniken der – Untertitel! – „Priester, Psychotherapeuten, Politiker“ dem Element Luft zugeordnet (so wie die „magischen“ Bewegungen der Erde, den Druck auf die Gefühlsdrüsen dem Wasser und den Einsatz von Sex Appeal dem Feuer). Viktor Klima war solch ein kongenialer Säusler … aber es kommt ja wieder bald ein Wahlkampf, da werden wir uns wieder an der Wählerbalz delektieren können. |