Fußball erschienen in: Fußball ist ein Reizwort. Ob man selbst Erinnerungen von selbst mitgestalteten Familienstreitigkeiten bekommt oder Fantasien, was wohl bei "den anderen" für Konflikte auftauchen, ist da ziemlich egal — friedlich genussvolle Gefühle kommen kaum auf, eher triumphale, wenn die "eigene" Mannschaft gewonnen hat. In der psychotherapeutischen Praxis wiederholen sich immer wieder zwei Szenarien: das eine lautet "Du sitzt da faul herum und ich hab so viel Arbeit …", das andere "Was? Du gehst schon wieder auf den Fußballplatz / ins Stadion — und ich hab mich so auf dich gefreut … immer lässt du mich allein …". Beide Inszenierungen gehören zu den wohlbekannten Machtspielen "Warte nur — ich werde dir schon Schuldgefühle einimpfen …". Meist entstehen gerade die aber nicht, sondern ihr "Unterbau", nämlich Aggressionen. In der Psychoanalyse nennt man es gerne einen "Parallelprozess", wenn nämlich das, was "objektiv" Thema einer Handlung oder Diskussion darstellt, synchron nochmals zwischen den beteiligten Personen abläuft, also konkret: das reale Fußballspiel im Stadion von einem verbalen und emotionalen Kampfspiel zwischen mindestens Partner und Partnerin oder sogar kompletten "Lagern" wiederholt wird — allerdings ohne Schiedsrichter (wohl aber kindlichen Linienrichtern, die abzuwinken versuchen, leider aber selten Erfolg mit ihren Stopp- und Trennaktionen haben). Unabhängig von der Übertragung von Kampfstimmungen auf eigentlich Desinteressierte, liegt es im Charakter des Fußballspiels, dass siegt, wer sich aufmerksamer, flinker und auch rücksichtsloser durchsetzt: genau das lernen viele dabei. Man kann sich aber auch "nur" identifizieren. Dann fiebert man mit seinem Champion mit, leidet mit oder jubelt und strahlt — je nach Erfolg. Und genau dieses "Mitleben" frustriert oft die Partnerpersonen. Sie werden neidisch. Wieso löse ich nicht solche heftigen Gefühlsstürme aus? Meine Antwort dazu: weil die bzw. der Frager/in zu "nahe steht", man könnte auch sagen: "abseits". Kein Verteidiger mehr dazwischen. Direkter Torschuss zu wahrscheinlich. Deckung nicht vorhanden. Genau davor haben die meisten Männer Horror. Sie könnten verletzen — oder verletzt werden. Dass in "lebendigen" Partnerschaften Spannungen und folglich auch Konflikte auftauchen, gehört zur Lebendigkeit dazu. Leben findet immer in "Wellen" statt. Mal oben, mal unten. Hoch, tief. Die Nulllinie ("nur keine Wellen") signalisiert Tod. Das Geheimnis unkriegerischer Auseinandersetzungen besteht darin, nicht oppositionell aufeinander los zu gehen wie in einer Arena, sondern gemeinsam, Schulter an Schulter, auf das, was stört, zu schauen — wie in einem Team eben. Deswegen hat mir einmal auch ein Topmanager anvertraut, er bevorzuge Mitarbeiter/innen, die eine reale Sportlerkarriere hinter sich hätten — weil die nämlich teamfähiger wären als die einsamen Voyeure vor der Glotze oder deren einsame Frauen. |