Perner Archiv

 
"Perners Notizen"
-->  Wiener Zeitung
Foto: Helmut Klein

Verstecken

erschienen in:
"Wiener Zeitung" – 15.04.2006

Ostern kommt und damit der vielbeliebte Brauch des Ostereierversteckens – ein klassisches "gutes Geheimnis"! Denn dieses Aufspüren von etwas Verborgenen liefert ein Erfolgserlebnis, erfrischt damit das Herz, stärkt das Selbstwertgefühl und hilft auch zu befreiendem Lachen. (Im Gegensatz dazu sind "schlechte Geheimnisse" etwa der Zwang zur Geheimhaltung, oft noch dazu unter Androhung schlimmer Folgen, mit dem pädophile Sexualtäter – es gibt auch andere! – Kinder einschüchtern, in Angst versetzen und in ihrem Selbstausdruck lähmen.)

Etwas oder sich verstecken, kann lustig sein – meist ist es aber dramatisch: Beispielsweise gehört es zu den primitivsten Mobbing-Attacken, jemand Arbeitsunterlagen zu verstecken. So erinnere ich mich an eines meiner seinerzeitigen Seminare "Gesprächsführung in schwierigen Situationen" im Rahmen der Verwaltungsakademie des Bundes: In diesem berichtete eine Psychologin, die einzige Akademikerin in ihrer Abteilung, sie wäre aus dem wohlverdienten Urlaub zurückgekehrt und alle ihre Arbeitsbücher waren verschwunden. Sie tauchten erst ein halbes Jahr später wieder auf – im Rahmen einer Übersiedlungsaktion, und zwar im Schreibtisch einer Schreibkraft! Leider haben noch immer viele Vorgesetzte, denen zu Beschwerden über Mobbing nicht anderes einfällt als der Appell "Vertragt Euch doch!", nicht erkannt, dass Mobbing nicht nur die so belasteten Personen schädigt (und vor allem in Erfüllung ihrer Arbeitsleistungen behindert!), sondern die Mobbenden unangefochten im Schadenanrichten bei Personen wie Arbeitszielen agieren lässt!

Aber noch ein anderes "Versteckenspiel" ist mir aus meiner psychotherapeutischen Praxis gut bekannt: das "Observieren" vermeintlich ungetreuer Ehefrauen durch ihre Ehemänner. So kenne ich eine schwer arbeitende Fachärztin, deren zweiter Ehemann sich nicht schämt, ihr heimlich einen seiner Arbeitskollegen nachzuschicken, wenn sie, selten genug, mit ihrem Sohn aus erster Ehe dessen Vater trifft. Andere platzieren heimlich Tonbandgeräte oder bauen sogar versteckte Videokameras auf, um ihre Gattinnen (erschreckenderweise aber auch Töchter!) bei den vermuteten Sexspielen zu ertappen. Einer dieser Hobbydetektive versteckte sich sogar im Kleiderschrank und stürzte beim ersten verdächtigen Geräusch hervor – nur: das Quietschen der Bettfedern wurde dadurch hervorgerufen, dass seine Ehefrau die Bettwäsche wechselte und dazu auf die Matratze gekniet war – sie war nämlich, ebenso wie er, nicht mehr ganz jung und wollte ihre Bandscheiben schonen! Und genau das fällt mir bei diesen Versteckaktionen auf: Manche der älteren Männer phantasieren einen Nebenbuhler, wenn sie das Nachlassen ihrer Manneskraft bemerken – statt so wie ihre Frauen erleichtert zu sein über diese Entspannungsreaktion.


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