Perner Archiv

 
"Perners Notizen"
-->  Wiener Zeitung
Foto: Helmut Klein

… macht, was er will

erschienen in:
"Wiener Zeitung" – 01.04.2006

In den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als ich ein Teenager war, gab es den Film "April entdeckt die Liebe" (und noch ein zweiten, weil der erste so ein Erfolg war, vielleicht war es auch umgekehrt – aber dessen Namen hab' ich vergessen …), und "April" war der Vorname der jungen Heldin, der wir alle nacheiferten – mit Babyballerinas, Pferdeschwanz und Bauschröcken samt Krinolinenunterröcken, die Taille eng geschnürt, daher auch atemlos und aufgeregt – denn: Das, was sich diese April alles traute, hätten wir uns nicht getraut, überhaupt im biederen Wr. Neustadt! Dating war damals ja noch kein "must", eher das Gegenteil …

April macht, was er will, weiß der Volksmund. DER April! Er ist männlich – und dass Männer sich viel trauen, was Frauen nicht nur nicht wagen, sondern im Gegenteil als nicht beziehungsfördernd ablehnen würden, weiß die Paarforschung nur zu gut! Beispielsweise: nicht nach Hause kommen, auch wenn dort jemand sehnsüchtig wartet – Kinder! – oder nicht antworten, wenn jemand eine Frage stellt oder eine Bitte ausspricht – oder oder oder ...

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die sog genannten "Mappis" etwa, denen es echtes Bedürfnis ist, die besseren Mütter zu sein als sie selbst welche hatten, oder die "Kümmerer", die ihr Selbstwertgefühl daraus gewinnen, anderen ein offenes Ohr, Herz und auch Beistand zu schenken. Merken Sie, dass beide Einstellungen und Verhaltensweisen mit nicht gerade aufbauenden Namen bedacht werden? Schade!

Männer, die sich nicht als Kampfmaschinen aufführen und damit dem traditionellen Männerrollenbild des soldatischen Helden widersprechen, werden ebenso sprachlich diskriminiert wie Frauen, die nicht "glucken". Dabei sind sie es, die wirklich mutig sind!

In der gedankenlos grölenden Horde mit zu marschieren, braucht wenig Selbstsicherheit und Widerstandskraft – da tut man(n) nicht, was man(n) will, sondern schwimmt mit dem Strom oder lässt sich sogar nur treiben und mitziehen. Man(n) bleibt damit auf dem Niveau des 14jährigen, der sich ohne seine Peergroup leer fühlt, oder gar auf dem von Mammis lieben Bubi. Erst mit der Emanzipation von blinder Autoritätshörigkeit beginnt die Eigenständigkeit – die geistige wie die seelische – und damit auch Gesundheit.

Zur Erinnerung und Rückenstärkung – worauf auch ein ungarisches Sprichwort hinweist: "Immer die im Bett hat Recht!"


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