Change Management erschienen in: Dass Veränderungsprozesse in Firmen nicht so leicht über die Bühne gehen, wissen kluge Führungskräfte, und buchen deshalb gerne "Change Agents", die bei der Umsetzung helfen sollen. Ich selbst habe bei so mancher Fusion von Pharmariesen unterstützend mitgewirkt und kenne daher die Ängste der Betroffenen nur zu gut: Es sind Realängste, keine neurotischen, und sie betreffen nicht nur die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes – immerhin verdoppeln sich ja nicht die Aufgaben, sondern wo vorher zwei den gleichen Aufgabenbereich verfolgt haben, kann jetzt eine/r eingespart werden. Sie betreffen auch die Firmenideologie – den "Geist", den "Stil", die "Identität", das historisch gewachsene Selbstverständnis und die Art, wie und zwischen welchen Personen es kommuniziert wird. Ähnlich ist es aber auch bei jeder anderen "Paarung". Da treffen einander zwei Personen aus unterschiedlichen Familien, oft mit unterschiedlichem Bildungsniveau, Sprachstilen, Spielregeln, Dominanzstrategien – und oft kommen noch Unterschiede "des Standes, der Klasse, des Bekenntnisses" dazu. In der Bundesverfassung heißt es zwar in Art. 7, dass "Vorrechte" dieser Art ausgeschlossen sind, und sie zählt auch noch Diskriminierungen auf Grund des Geschlechts dazu! – allerdings nur vor dem Gesetz. "Privat" wird noch immer gezielt benachteiligt – und dass das gesundheitsschädigend ist, weiß wohl jede/r, dem Rechte verweigert wurden, die sein Visavis selbstverständlich konsumiert. So hörte ich einmal einen Mann zu seiner Allzeitgetreuen sagen: "Ich mag es nicht, wenn es schief wird!" Sie schnappte überrascht nach Luft: Aus ihrer Sicht war er doch derjenigen, der sich "schief" inszenierte – der von oben herab dozierte, ihre Gedanken weg wischte, ihre Gefühle ignorierte, die Erfüllung ihrer Wünsche nach mehr Wertschätzung abwehrte, nur seine Weltsicht gelten ließ! Ihre Bemühungen, Symmetrie in diese Beziehung zu bringen, war für ihn bereits ein Versuch, ihn zu dominieren – und damit Spiegel seines eigenen Dominanzanspruchs. Immer wieder kommen Frauen in Beratung, und wollen wissen, wie sie es anstellen könnten, dass ihr Mann sich ändere – kooperativer werde, respektvoller. Ich sage dann meistens nur "Gar nicht!" Aus meiner Sicht kann man Menschen nur "wahr" nehmen, wie sie eben sind – und sie informieren, was das bei einem auslöst, einerseits an innerlichen Reaktionen, andererseits an geplanten äußerlichen Verhaltensweisen. Und man kann um Änderung bitten. Da aber der andere meist gar nicht weiß, was konkret von ihm/ihr erwartet wird, ist es hilfreich, das ersehnte Verhalten so präzise wie möglich zu beschreiben. Und dann kann man dem anderen eine faire Chance geben, einem entgegen zu kommen. Oder ihn stehen lassen ... Dan Kiley beginnt sein Buch "Wenn Männer sich nicht ändern wollen" (Kabel 1989) mit der Überschrift: "Warum die liebevolle Konfrontation der einzige Weg ist" und rät, Zorn und Verbitterung ebenso wie Selbstmitleid zu kontrollieren, sachlich zu bleiben und – bei sich selbst. "Es wird ihnen nicht gut tun", warnt Kiley, "sich bis zur Erschöpfung abzumühen, während ihr Mann untätig daneben sitzt und sich von ihren übermenschlichen Bemühungen unterhalten lässt, diese insgeheim aber als eine weitere sinnlose Spielart modischer Psychologie abtut." Solch ein Mann muss erst partnerschaftliches Verhalten lernen! (Möglicherweise auch im Beruf!) Und das geht nicht mit Zwang und verbaler Gewalt, sondern nur mit Liebe und Geduld. Daher – bitte nicht vergessen: Frau ist in disem Fall die Professorin – er der Schüler! |