Perner Archiv

 
"Perners Notizen"
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Foto: Helmut Klein

G'sundheit!

erschienen in:
"Wiener Zeitung" – 25.02.2006

Die nächste Grippewelle naht, warnen Experten, in der Fernsehwerbung rodelt der seinerzeitige Vignetten-Mann leichtgeschürzt durch Schnee und Eis und die Boxzwillinge schnauben ihre überschüssigen Kräfte in zart-starke Zellwolltuch ... fehlt nur noch schnupfenspezifische Vitaminwerbung.

Wie verkühlungs- oder krankheitsanfällig jemand ist, hängt aber nicht nur von Bakterien oder Viren ab, sondern vor allem auch von der individuellen Immunstärke, und die schwindet schnell, wenn man sich – im übertragenen Sinn – "kalte Füße holt" oder "die Nase voll hat".

Körper, Seele und Geist sind eine Einheit: unsere gewohnten Denkmuster lösen zugehörige Emotionen aus, diese wiederum führen zu Schweißausbrüchen, Muskelverspannungen, Blutdruckschwankungen, Hormonausschüttungen ... – und diese Körperreaktionen werden leicht chronisch, wenn man sich nicht mit den auslösenden Momenten auseinandersetzt. Sind körperliche Beschwerden oder Symptome chronisch geworden, lösen sie wiederum Emotionen aus und diese wiederum Gedanken des Woher und Wohin – der Teufelskreis setzt sich in Gang.

Besser als sich zu fragen, Woher hab ich diese oder jene Beschwerde und: Wohin wird das nur führen? hilft die folgendermaßen formulierte Überlegung: Womit allem könnte das zusammenhängen, was ich derzeit als Reaktionsmuster erlebe? Was in meinem Leben fördert mein Wohlbefinden und was stört, ja zerstört es? Oder anders gefragt: Was spendet mir Energie (und hebt meine Immunkraft), was nimmt mir Energie?

Wenn einem jemand "G'sundheit!" wünscht, wenn man nießt, so liefert diese Zuwendung Aufmerksamkeitsenergie und einen Besserungswunsch dazu – ist also ein Segen. Mein leicht sadistischer Vater beispielsweise sprach solche freundliche Worte selten, er pflegte Nießanfälle mit einem herzlichem "Zerspring!" zu beantworten – einem Fluch also.

Wer allerdings Flüche nicht kennt – keine Erinnerungsspur im Gehirn besitzt, die Fluchworte mit Angst vor Erfüllung verbindet – wird eher lustig finden, wenn jemand etwas "anregt" oder "befiehlt" - je nach Tonfall – das schlicht unmöglich ist. Das ist die Gnade des "unschuldigen Kindes", wie es uns in etlichen Märchen entgegen tritt, wo es durch die Allee mit links und rechts hockenden Monstern zum Schatz hin wandert und sich nicht fürchtet – eben weil es nicht weiß, dass die seltsamen Gestalten gefährliche Monster sind. (Außerdem können auch Monster sehr nett sein ... wenn man sie nett behandelt!)

"Alle Methoden, alle Hochrechnungen, alle Interviews, die sich mit der Zukunft beschäftigen,", schreibt Alexander Giese in "Reich ohne Geld" (ecowin), "haben daher drei Möglichkeiten, Szenarien vorzubereiten, die entweder optimistisch, pessimistisch oder halbwegs wahrscheinlich sind." Und er bekennt: "Eines glaube ich sicher: Besser als jede Zukunftsforschung scheinen mir Vertrauen, Mut und Energie in der Gegenwart."

Es liegt vielfach an unseren selbst designten geistigen Bildern an Zukunftserwartungen, ob wir ängstlich zittern und schwitzen, nichts wagen und damit in einem Zustand von Kleinmut erkalten, oder frohgemut an unsere Kreativität und Kraft glauben – oder auch daran, schon die passenden Helfer zu finden – und so offen- und warmherzig uns (und damit auch anderen) Energie zukommen lasssen. Liebe heißt die Energie, die aus offenen Herzen strömt – und dass sie gesund ist und gesund macht, weiß jeder Mensch, der schon einmal geliebt hat. Dass dieser Zustand auch die Immunabwehr stärkt, weiß die Immunforschung. Daher sollten wir nicht erst auf den Wonnemonat Mai warten, wenn wir "ganzheitlich" etwas für unsere Gesundheit tun wollen ...

 


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