Perner Archiv

 
"Perners Notizen"
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Foto: Helmut Klein

... große Söhne?

erschienen in:
"Wiener Zeitung" – 07.01.2006

Das Gedenk- und Gedankenjahr liegt hinter uns und damit vorerst einmal auch die Diskussion, ob Österreichs große Töchter in der Bundeshymne hörbar gemacht werden sollen.

Nicht Wolfgang Amadeus Mozart (250. Geburtstag am 27. Jänner) wird für das österreichische Außenministerium zum wichtigsten Thema der Kulturvermittlung im Ausland gemacht werden, spricht der Leiter der Kulturpolitischen Sektion, Emil Brix, sondern Sigmund Freud (150. Geburtstag am 6. Mai). Beide in ein und derselben Zeitungsmeldung vereint, entbehrt nicht ein gewissen Pikanterie: Wissen wir doch aus Mozarts Briefen, dass seine Vorliebe für kindlich-fäkalerotische Formulierungen zahllosen Psychoanalysestunden spannenden Inhalt hätte liefern können ... Manche meinen sogar, Mozart hätte an der Tourette-Störung (wozu unter anderem auch der unbeherrschbare Drang gehört, ordinär zu schimpfen) „gelitten“ – ein unpassendes Wort, finde ich, denn mir scheint er an seinen derben Formulierungen eher Freude gehabt zu haben. Ich meine eher, dass er es sich leisten konnte, „keinen Genierer“ zu haben – wie heute ja auch viele „Popstars“ sich so ziemlich alles erlauben können. Sexexzesse, Drogenmissbrauch, faschistisches Gedankengut, Verachtung der Menschenrechte ...

Vielleicht war es aber auch Mozarts Art von Distanzierung oder gar Rebellion gegenüber dem geziert gespreizten Benehmen einer höfischen Gesellschaft ... Man kann ja ungestraft spekulieren, wenn jemand tot ist. Dass es eine Eigenart der „Österreichischen Seele“ ist, außergewöhnliche Menschen und ihre kulturellen Leistungen zu Lebzeiten zu ignorieren oder runter zu machen, ist ja vielfach bekannt. Ebenso, dass nach dem Ableben gerne romantische Legenden verbreitet werden. Ist ja auch Sigmund Freud passiert, dessen Bemühungen, ordentlicher Hochschulprofessor zu werden, an der mangelnden Bereitschaft der inländischen Kollegenschaft, andere als traditionelle Sichtweisen zu respektieren, gescheitert ist.

Um als Österreicher/in in Österreich achtungsvoll wahrgenommen zu werden, braucht man den Umweg über das Ausland. Und selbst da kann man nicht sicher sein, wie das Beispiel Elfriede Jelinek zeigt. Wertgeschätzt wird primär die Vermarktbarkeit. Dazu muss man aber lesen können ... wie bei Sigmund Freud. Hören geht da leichter. Und Schauen sowieso.

Arnold Schwarzenegger hingegen ist „sexy“ – ihm wird hoher Marktwert zugesprochen. Aber „auf was empor“? Muskelpakete? Drittklassige schauspielerische Leistungen? Geschickte Heiratspolitik? Erfolgreiches Lobbying? Anpassung an „die breite Masse“? Oder die spießbürgerliche Identifikation – statt „Wir sind Papst“ wie in Deutschland bei uns eben „Wir sind Gouverneur“? Man weiß doch (hoffentlich), wie in den USA Wahlerfolge paktiert werden ... Erfolg ist bekanntlich nicht einer der Namen Gottes.

Das, was mir bisher an ihm imponiert hat, war sein Einsatz für die „Special Olympics“ und damit für das Recht körperbehinderter Menschen, auch Sport betreiben zu dürfen. Vor 60 Jahren sind solche Menschen im NS-Staat „zu Tode gebracht“ worden ... Jetzt wehrt sich Schwarzenegger, auf die Ermordung von Haftinsassen zu verzichten. Beruft sich auf die Volksmeinung. Hat aus der Geschichte nichts gelernt. Vertritt noch immer die primitiv archaische Ethik von „Aug um Aug, Zahn um Zahn“. Fehlt nur noch „Wollt ihr die totale Rache?“

Über Massenpsychologie kann man gut bei Sigmund Freud nachlesen. Und in gewisser Weise auch bei Bertha von Suttner. Nicht nur „Die Waffen nieder“ sondern vor allem die Rachegesinnung!


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