Weihnachten erschienen in: Wenn ich in diesen Tagen durch meine niederösterreichische Heimat fahre und mich vom regionalen Rundfunkprogramm berieseln lasse, erfahre ich, wie viele große Adventveranstaltungen das Land bereichern. Dass Niederösterreich das Land mit wohl den meisten Sommerfestspielen ist, bringt ihm ja auch oft Kritik ein. So erinnere ich mich an eine Gesprächsrunde, in der die Gattin eines hochrangigen Wiener Politikers sich darüber mokierte, dass kein Bundesland der Wiener Hochkultur das Wasser reichen könne, wie sehr es sich auch anstrengen möge. Da wärmt es schon das Herz von uns Landkindern, wenn wir etwa im Buch „Niederösterreich und seine Künste“ von Manfred Wagner (böhlau Verlag) lesen können: „Kunst war also ganz im Gegensatz zu unserem heutigen Alltag nicht nur die Frage der Repräsentanz der Macht, nicht nur das Signet von Reichtum einer politischen Führungselite, sondern Ausdruck dahinter stehender Substanz, zugrunde liegenden Denkens, Versinnlichung von Philosophie und Ideologie, die weit über die Grenzen hinaus verkündete, welchen Denkens, welcher Spiritualität man sich befleißigte.“ Dass Weihnachten auch Ausdruck individueller Kultur – nicht nur Volkskultur – zur Darstellung bringt, wird oft übersehen. Ob man seinen Lebensraum schmückt, sich im Gestalten von Festmahlen verwirklicht oder in der Produktion von Geschenken, im Singen und Musizieren oder in einer Besuchskultur sind da nur einige Beispiele. Was mir allerdings weniger gefällt, ist die Trinkkultur oder besser -unkultur. „Saufen für einen guten Zweck“, Endergebnis „auxoffana untan gristbam“, wie H. C. Artmann so treffend dichtete. Von C. G. Jung stammt die auffordernde Formulierung „Spiritus contra spiritum“: der „heilige Geist“ als Gegenmittel zum Weingeist (in einem Brief an „Bill“, den legendären Gründer der Anonymen Alkoholiker). Und genau darum geht es wohl auch zu Weihnachten: sich zu besinnen, nicht nur, wie man mit anderen umgeht – liebevoll oder vernachlässigend, achtsam oder gewalttätig, zutraulich oder abweisend ... – sondern auch, in welchem „Geist“ man mit sich selber umgeht. Viele Menschen schütten sich ja aus Resignation, Verzweiflung oder auch Rachsucht zu, weil sie nicht die Liebe und Anerkennung bekommen, die sie beanspruchen, Methode „Recht geschieht meiner Mutter, wenn ich mir die Finger erfrier‘, warum kauft sie mir keine Handschuhe!“ Als kleine Kinder sind wir auf Versorgung durch andere angewiesen, als Erwachsene sollten wir aber fähig sein, uns selbst zu „bemuttern“. Weihnachten gilt als „Fest der Familie“, und manche regredieren auf „verlassenes Kleinkind“-Verhalten aus Trauer, dass sie keine – mehr oder noch nicht – haben. Alkohol ist dabei oft die Ursache! Denn wenn er auch von manchen als Seelentröster bedichtet wird („Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ heißt es bei Wilhelm Busch), so stellt er doch einen missglückten Selbstheilungsversuch dar. Die Alternative heißt Selbstbeglückung,
und die ist eine Kulturleistung. Solange man wartet oder auch randaliert,
dass sich jemand anderer um einen kümmert, wird man zum unbedachten
Energiesauger, der anderen Zuwendung abzapfen oder abtrotzen will. „Wenn
du willst, dass etwas geschieht – tu es selber“ riet
einst Ronald D. Laing. Sich selbst (oder wem „Anderen“,
und dazu zählt auch „Gott“!) genussreiche Feiertage
bereiten – ist öffnet das Herz und ist somit Heil-ung:
Herausfinden, was man beglückend findet und sich Schönes
zum Anschauen, Hören, Riechen, Schmecken, Spüren bereiten! |