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"Perners Notizen"
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Foto: Helmut Klein

Kommunikation

erschienen in:
"Wiener Zeitung" – 19.11.2005

Dass man nicht „nicht kommunizieren“ kann, wie es Paul Watzlawick formulierte, ist ja zwischenzeitlich hinlänglich bekannt ... aber was alles zu diesem umfassenden Kommunikationsbegriff zählt, nicht. Das unbewegliche Pokerface beispielsweise signalisiert nicht nur „habe keine Gefühle“ sondern auch „bin nicht offen für small talk“ oder überhaupt irgendeine Form von Zuwendung. Überhaupt sagt bekanntlich ein Bild mehr als tausend Worte – und welches Bild man jeweils abgibt, eines des Jammers oder umgekehrt der hellen Lebensfreude, entspricht nicht immer den realen Gegebenheiten sondern oft bloß dem Image, das man sich zugelegt hat, oder auch einer mehr oder milderen Form von Wahn ...

So wähnen sich manche Männer noch immer höflich oder gar aufmerksam, wenn sie Frauen – oder andere menschliche Objekte ihrer Begierde – anstarren (oder sie wähnen sogar, sie würden gar nicht starren ... und so, wie Sigmund Freud einmal formulierte, ihr Auge quasi zum Genital machen ...). Manche halten dies sogar für eine geeignete Form der Werbung und sind empört, wenn sie als Belästiger empfunden und abgewehrt werden.

Mimik, Gestik, Körperhaltung, Stimmlage, Timbre, Atemfrequenz, bioelektrische Ausstrahlung – das alles und noch viel mehr zählt zum kommunikativen Ausdruck. So bezeichnet der Innsbrucker Sexualmediziner Kurt Loewit den körperlich-sexuellen Austausch als „intimste Form der Kommunikation“ (und ich ergänze: vorausgesetzt er ist gewaltfrei!). Denn aggressives – Steigerungsstufe: gewalttätiges – Verhalten stellt zwar auch ein Kommunikationsangebot dar – allerdings kein intimes, rücksichtsvolles sondern einschüchterndes, tatsächlich oder drohend gesundheitsschädigendes. „Der Mensch ist dem Menschen ein Heilmittel“ besagt ein afrikanisches Sprichwort (im Gegensatz zu dem altrömischen „homo homini lupus est“ – „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“, was ja auch Enttarnendes über die jeweilige Geisteshaltung aussagt!).

Es reicht oft ein Blick, um jemand anderen „runter“ zu machen – oder „auf“ zu „bauen“. Vielleicht liegt darin auch eines der Geheimnisse, weshalb die Fernsehsendung „Dancing Stars“ so hohe Einschaltquoten erzielen konnte: nicht nur, dass Tanzen an und für sich schon Zeit und Raum für erotische Kommunikation bietet und daher voyeuristisch „spannend“ zu beobachten ist, was die Tänzer/innen so miteinander aufführen ..., zeigt die Mimik der Akteure während der Bewertungs- und Auswahlsequenzen noch dazu den mehr oder weniger professionellen Umgang mit Ehrgeiz und Gleichmut, Konkurrenz, Sieg oder Niederlage und heilt so beim Publikum vielleicht sogar alte Wunden aus der Tanzschulzeit ...

Kommunikation enthält ja immer eine Selbstoffenbarung. Watzlawick formuliert: „immer, wenn ich etwas von mir gebe, gebe ich etwas von MIR“. Besonders im Tanz „verkörpert“ man auch seine vorhandene oder verlorene Sinnlichkeit: Man bewegt sich und manche Körperteile und präsentiert sich als potenzielle/n Sexualpartner/in. Und genau das gefällt mir an unseren aktuellen Dancing Stars: Nicht nur die „beautiful young people“ haben Grazie, Temperament, Wagemut und Humor, sondern Angehörige der Elterngeneration ebenso ... Auch wenn manche Produktwerbung auf Scham- und Schuldgefühle der nicht mehr ganz taufrischen Generation zielt – erotische Kommunikation schließt weiße Haare oder Rubensfiguren nicht aus! Daher: auch wenns wohl kaum in der Absicht der Sendungsverantwortlichen lag – damit hat unsere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ihren sonst kaum merklichen Bildungsauftrag subtil erfüllt!


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