Sterne erschienen in: Irgendwann blickt man nach oben und sieht sie funkeln: die Sterne. Kleine Kinder fragen dann: wo kommen die her? Und wieso stehen die still? Und wieso rasen manche über das Firmament und verschwinden so schnell wie sie aufgetaucht sind? Dann sind Durchschnittseltern schmähstad. Astronomie gehört leider nicht zu den Wissensgebieten, die alltäglich vermittelt werden. Alltäglich vermittelt wird hingegen die Welt der „Stars“: ob auf der Showbühne, in Film und Fernsehen, im Sport oder in seiner Schwesterdisziplin, der Politik – überall gibt es sie, die Stars – die ganz oben, die funkeln und leuchten, und die Sternschnuppen, die scheinbar abstürzen, und die damit „schnuppe“ werden. Keiner kümmert sich mehr um sie, und meist werden sie auch schnell vergessen. Ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern, als die Stars auf den Filmplakaten oft wirklich mit ihrem Kopf auf einer Art Sternenteller dargestellt wurden. Mehrere. Später dann nur mehr eine oder einer. Dann war das Codewort geprägt, differenziert in Stars und „Sternchen“; dem Moviestar folgten neue Wortschöpfungen, „A star is born“ etwa oder der Starkult, die Starallüren. Heute ist es Starmania oder der Dancing Star. Verbale Orden ähnlich dem für den „Hormonpapst“ (oder aber, wie im ländlichen Raum oft spöttisch formuliert, dem „Graben-Kaiser“). Tauchten Stars früher wirklich oft aus dem Nirgendwo auf, erst mit Zeitverzögerung begleitet und unterstützt von weniger Getreuen, die ihnen eine Chance gaben und auch für diese Chance „rannten“, nämlich zu den Mächtigen, die über Raum und Zeit entschieden (Stiller bei der Garbo, Sternberg bei Marlene Dietrich), geht heute kaum mehr was ohne ein Team, das am „Produkt“ arbeitet, es vermarktet und wesentlichen Gewinn beansprucht und einstreift. Nicht die Leistung zählt, sondern das Design. Ob Alfred Gusenbauer oder Angelika Merkel: wichtig ist, wie ein Star auszusehen, egal wie man wirklich ist. Der deutsche Schriftsteller und langjährige Abgeordnete Dieter Lattmann schreibt in seinem Buch über „Politik als Showgeschäft“, es sei ziemlich egal, wie weit persönliche Realität und Rolleninszenierung auseinander klaffe, wichtig sei vor allem, dass man(n) in die tradierten Klischees passe: als Mann müsse man „Vater“, „Held“, „Technokrat“ oder „Kleiner Mann von nebenan“ darstellen, als Frau „Mutter“. Heldinnen landeten auf dem Scheiterhaufen, und Technokratinnen gab es zur Zeit des Erscheinens des Buches gerade die erste mit der Physikerin Margaret Thatcher. Aber die war zumindest Mutter von Zwillingen, passte also in die Stereotype „Dame“ und „hat Kinder, kann ja doch nicht nur Mannweib sein“. Angela Merkel als zwar Ebenso-Physikerin aber Nicht-Mutter tut sich da wohl schwerer. In Österreich brauchen wir nur an Heide Schmidt denken – ein Vorbild an Intelligenz, Ethik und Mut, aber für viele als fernab des lieblich-putzig-lustigen Weibchen-Klischees zu bedrohlich, und das macht unsympathisch. Mit dem gezielt publizierten Starkult wird nämlich immer auch
eine geheime Ideologie mit transportiert: ist der Star, zumindest
eine Weile, für ein Wunder, einen Skandal, die Bestätigung
der heilen Welt oder zumindest braves Vasallentum gut, wird ihm medialer
Raum eingeräumt. Zum Wunder gehört dabei auch, abgestumpften
Mächtigen (oder deren Quotendienern) finanzielle, sexuelle oder
Versorgungs-Wohlgefühle herauszulocken. Frauen ohne Mutter-
oder Hausfrauen-Aura haben es da nicht leicht! Männer ohne Macho-,
sprich Sport- und Sauf-Hintergrund auch. Zumindest in Österreich. |