Auto-mobil erschienen in: Als ich als junge Juristin in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts in der Volkswirtschaftlichen Abteilung der Oesterreichischen Nationalbank – wie ein Kollege in einer der damals üblichen Faschingszeitungen dichtete – „über Dänen, Schweden, Finnen“ beim “lesen, schreiben oder – sinnen“ beobachtet wurde, hatte ich eine Sekretärin, von der wiederum ein anderer Kollege mit fast ängstlicher Bewunderung sagte, sie sei eine „Herrenfahrerin“ – eine Bezeichnung, die wohl ganz in Vergessenheit geraten ist. So besonders war das eigenhändige Chauffieren eines Kraftfahrzeugs, und dazu noch von einer Frau! Und zwar keiner spleenigen US-Millionärin, sondern einer jungen, hübschen Schreibkraft. Üblich war, dass man sich kutschieren ließ – vom professionellen Chauffeur, im Taxi, im Rettungswagen ... oder vom Ehemann. Damals wuchs die erste Generation heran, in der sich auch Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller einen Kraftwagen anschaffen konnten – auf Kredit oder nach jahrelanger Ansparzeit, bestenfalls durch finanzkräftige – führerscheinlose – Eltern angekauft, dafür aber mit der Auflage, diese wiederum chauffieren zu müssen ... Besondere Autofinanzierungen oder auch Leasing war damals noch nicht üblich, ein Blechschaden daher eine mittlere bis riesige Katastrophe (von Spott und Hohn abgesehen) und das Auto selbst nicht nur Statussymbol sondern Liebesobjekt. Wer ein Auto hatte, war wer: ein Herr. Herren ließen sich bedienen. Z. B. an der Tankstelle. Von Mechanikern. Oder Versicherungsagenten. Alles Männer ... daher konnte man(n) sich als Chef fühlen. Willkommen im Club! Von Frauen bedient zu werden, ist man(n) hingegen von Muttern her gewohnt, daher ist es üblich, gewöhnlich, und daher im Endeffekt nichts wert – man(n) bekommt keinen höheren Rang, wenn man von einer Frau bedient wird, außer es ist wiederum eine ganz besondere, eine im Rampenlicht oder eine Exotin. Aber auch das ist dank der heutigen globalen Mobilität nicht mehr wirklich was Besonderes. Das glauben nur mehr sehr einfach organisierte bzw. eingleisig fixierte Männer wie Boris Becker und Dieter Bohlen. Die Frau allerdings, die sich nicht mehr „wohin führen ließ“ sondern selbst lenken wollte und wagte und „frei“ durch die Welt düste, brachte dieses Männerparadies zum Einsturz. Ich habe etliche Mann-Frau-Diskussionen in Erinnerung, in denen „er“ nicht einsehen wollte, weswegen „sie“ das selbe Ziel unbedingt im eigenen Auto anpeilen wollte, wo sie doch so gemütlich bei ihm „beifahren“ könnte. „Ich will einfach abhauen können, wenn oder wann ich das will!“ habe ich noch so einen weiblichen Protest in Ohren, ebenso wie sein ungläubiges “Weswegen solltest du abhauen wollen?“ Das ist meiner Erfahrung nach der große Unterschied zwischen den Geschlechtern: viele Männer sehen in ihrem Fahrzeug das demonstrative Symbol für ihre „Revieransprüche“, und das heißt etwa, wer einmal drinnen ist, darf nur mehr bedingt hinaus (und muss außerdem die „Gesetze“ des „Königs“ (der Landstraße) befolgen; wer zu nahe kommt, wird weg geschrammt; und wer nicht Platz machen mag, wird attackiert. Auch für den Jugendlichen, der stolz sein erstes Auto in Besitz nimmt, steht der erste PKW nicht für „Endlich erwachsen!“, sondern dafür, endlich ein eigenes Revier zu befehligen zu können (und von dort aus gegen andere zu „operieren“). Für Frauen hingegen bedeutet ihr Auto zumeist Freiheit: Freiheit
von Plackerei, Schlepperei, Zeitverlust und – Eingesperrtsein,
Warten müssen, zwangsverordneter Passivität. Das alles
steht im Widerspruch zum klassischen Frauenrollenbild der immer verfügbaren,
alles erduldenden und verläßlich verzeihenden Mutterfrau,
und die lenkt in diesem „Bild“ kein Auto, sondern chauffiert
höchstens einen Kinderwagen. |