Perner Archiv

 
"Perners Notizen"
-->  Wiener Zeitung
Foto: Helmut Klein

Sonne

erschienen in:
"Wiener Zeitung" – 18.06.2005

„Sonnenlicht ist Lebenselixier für Mensch, Tier und Pflanze“, schreiben Cornelia Adam und Jutta Keller in „Urkraft Licht“ (Mosaik). „Die Intensität des Lichts und die Dauer der Beleuchtung beeinflussen das Wachstum der Pflanzen. Sie speichern Sonnenlicht und wandeln es bei der Photosynthese in Sauerstoff um, den wir zum Atmen brauchen, aber auch in Energie, die wir durch sonnengereifte Lebensmittel zu uns nehmen.“ Und sie betonen: „Sonne kann man wirklich essen und trinken. Gerade in licht- und sonnenarmen Zeiten können wir mit lebendiger Sonnennahrung – Gemüsen, Früchten, Beeren, Nüssen, Samen, Saaten, Kräutern und Salaten – unseren Hunger nach Sonne stillen.“

Dass manche Menschen mit jährlich wiederkehrender Regelmäßigkeit an „saisonal abhängiger“ oder – populärer – „Winterdepression“ leiden, kann als bekannt vorausgesetzt werden. Weniger bekannt ist, was man selbst gegen diesen Mangel an „Lichtblicken“ tun kann ... beispielsweise, die Vernunft einzusetzen, um sich selbst mit Sonnenkraft zu versorgen. Tipps gibt’s dazu genug – z. B. bewusste und ritualisierte Mundspülungen mit Sonnenblumenöl. Oder Kerzenlicht mittels geschickt platzierter Spiegel – bevorzugt in Messingrahmen – zu vervielfältigen.

Was man jedenfalls in unserer hochzivilisierten Konkurrenzwelt nicht tun „darf“, ist sich im Dunklen zu verkriechen – quasi Winterschlaf zu halten. Da gleitet man schnell von der Licht- auf die Schattenseite des sozialen Lebens. Man verkümmert.

„Fast jedes Lebewesen auf unserer Erde braucht die wärmenden Sonnenstrahlen zum Sprießen, Wachsen und Reifen.“, wissen Adam / Keller. Ich verstehe darunter aber nicht nur körperliches Wachstum sowie Fortpflanzungslust und –fähigkeit. Ich zähle vor allem auch seelisches Wachstum dazu.

Früher hat man oft in Stammbücher hinein gemalt: „Hab‘ Sonne im Herzen!“ Wie man sie aber hinein bekommt, hat aber keiner dazugeschrieben! Dabei wissen das alle, die das einmal – und zwar, selbst wenn nur ein einziges Mal! – erlebt haben: durch den Blick eines Menschen, der einen liebt! „Wär‘ nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt es nie erblicken“ reimt Johann Wolfgang von Goethe: mit unserem Blick können wir Energie aufnehmen – aber auch abgeben.

„Die Energieschübe, die das Erdmagnetfeld durch die Sonnenaktivitäten erfährt, haben selbstverständlich auch Auswirkungen auf den Menschen in seiner Gesamtheit.“, zeigt auch Christine Stecher in „Aus der Kraft der Sonne – Leben im Einklang mit dem Licht“ (Goldmann). „Es sind mehr oder minder heftige, tiefgreifende Entwicklungsimpulse, die der einzelne an Leib und Seele zu spüren bekommt.“ Und: „Die Frage ist, wie man diesen starken energetischen Imput auffangen, verarbeiten und integrieren kann.“

In der therapeutischen Arbeit fällt immer wieder auf, dass Menschen, die in ihrer Kindheit den „Glanz im Auge der Mutter“ entbehren mussten – die, aus welchen Gründen auch immer wie Kriegswirren, Existenzkrisen oder familiäre Gewalt, keine Liebe erhielten sondern nur – wenn überhaupt – die notwendigsten Versorgungsleistungen – sich später schwer tun, Liebe zu ertragen. Ja dass sie sogar unbewusst solche Situationen „inszenieren“, dass mit größter Sicherheit auch die geduldigste Liebe erlischt ... außer man erkennt diese Ursache und bringt so viel Geduld und Güte auf, dennoch im Zustand des Liebens zu bleiben.

Liebe – die Herzenssonne – „auffangen, verarbeiten und integrieren“ zu können, setzt Entspannung voraus, Vertrauen, Hingabe. Dazu können wir uns bewusst entscheiden. Aber wie in der realen Sonne auch, gehört auch bei seelischen Sonnenstrahlen Schatten mit dazu – zwecks Vermeidung von Sonnenbrand.


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