Umwelt erschienen in: Woran denken Sie beim Wort Umwelt? An ein bisschen Grün vor dem Fenster? Vogelgezwitscher? Oder sauren Regen und beißende Abgase? Oder auch an quietschende Räder oder kreischende Garagentore? Vielleicht sogar an permanentes Ö 3-Gedudel ... oder aber sogenannte Volksmusik. (Der Film „Mars Attac“ fällt mir ein, wo die brutal-mörderischen Marsmenschen durch die schwerhörige Oma eines der Retter unschädlich gemacht werden, weil die ihre allerliebste Country Music radikal laut aufgedreht hat – und das halten diese galaktischen Bösewichte nicht aus!) Nach der Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation besteht Gesundheit nicht bloß im Freisein von Krankheit oder Behinderung, sondern in vollkommenem körperlichen, seelischen, sozialen und spirituellen Wohlbefinden, wobei das spirituelle Wohlbefinden ursprünglich nur als Zugeständnis an die Völker der Dritten Welt gedacht war – zwischenzeitlich aber auch Studien in der Ersten Welt bewiesen haben, dass Menschen, die beten, meditieren oder sich in anderer Weise regelmäßig an ein „übergeordnetes großes Ganzes“ wenden, gesund oder zumindest gesünder werden und auch bleiben. Soziales Wohlbefinden wird zumeist als Verfügbarkeit von ausreichend Licht, Luft und Bewegungsraum verstanden. Das lässt sich ja auch leicht in Zahlen fassen, kontrollieren und durchsetzen: so und so viel Quadratmeter pro Person, soviel Lichteinfall, so viel Abstand bis zur nächsten Nahversorgungsmöglichkeit oder zum nächsten öffentlichen Verkehrsmittel ... das ergibt zumindest Quantitäten, auf die man pochen kann. Wie aber sieht es mit der Qualität der Beziehungen zu den bevölkernden Menschen (und ihren Haustieren) aus? Soziales Wohlbefinden bedeutet ja auch, nicht isoliert leben zu müssen, Ansprachemöglichkeiten zu haben, ja sogar Freunde finden zu können – und damit auch jemand, den man von Herzen lieben kann. Aber wenn der oder die eben dauernd Country Music hören will ...? Ist es dann nicht weniger die „Beleidigung der Ohren“, die an der sozialen Gesundheit nagt, sondern die „Beleidigung des Herzens“, dass man / frau dem anderen nicht wert ist, zumindest in Gegenwart auf die Lieblingsmusik zu verzichten? Soziales Wohlbefinden hängt überwiegend von der Qualität der Kommunikation ab – ob es „Mächtige“ gibt, von deren Wohlwollen man abhängig ist: Herrscher über die Wohn- oder Arbeitsplatzumwelt ebenso wie Herrscher über die Beziehungsumwelt. Wir sprechen so viel über Umweltschmutz und Umweltsünder – und vergessen dabei auf diejenigen, die unsere Seelen verschmutzen oder gar verletzen und dann Fahrerflucht begehen (anstatt Erste Hilfe zu leisten – eine Metapher, die ich auch in meinem Buch „Hausapotheke für die Seele – Erste Hilfe von Angst bis Zorn“ benutzt habe!). Dabei würde es oft schon genügen, wenn der „Seelenrowdy“ bemerken würde, was er oder sie angerichtet hat! Da könnte die Erste Hilfe etwa lauten „Oh – ich merke, ich bin jetzt über Dich drüber gefahren – wie kann ich das wieder in Ordnung bringen?“ Bei vielen „Angefahrenen“ bringt solch eine Bemerkung, dass man „wahr genommen“ hat, bereits die Selbstheilungskräfte in Gang ... Zum geistig-sozialen Umweltschmutz gehört aber
auch oft das „G’schichterl“,
dass man sich reindrücken lässt oder gar selber „reinzieht“ („um
des Friedens willen ...“) – mit dem Fernsehprogramm beispielsweise.
Im Sinne von Salutogenese – der Summe der Verhaltensweisen,
die Menschen gesund machen oder halten – heißt die soziale
Umweltverträglichkeitsprüfung daher: „Macht mich
das, was ich gerade tue / zulasse gesünder?“ |