Blauer Dunst erschienen in: Dass manche Tiere mittels Duftbomben unerwünschte Annäherung zu verhindern wissen, kann als bekannt vorausgesetzt werden. Bei manchen Raucher/innen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie ihre Zigarettenmarke nach ähnlichen Gesichtspunkten auswählen ... Sie „stinken“ einem was. Quasi eine – zumindest bisher noch – sozial anerkannte Form, Distanz herzustellen (und den dazu nötigen Aggressionsschub zu verstecken). Sich derart einzunebeln schützt ja auch in Situationen der Unsicherheit, Überforderung, Übermüdung ... Wenn die Knie schnackeln, wenn man sich schnell nieder setzen will (um stehend nur ja nicht Zielscheibe möglicher Attacken zu werden), hilft die schnell verfügbare Dosis Nikotin, physiologisch zu „ruhig Blut“ und „Coolness“ zu verhelfen. Rauchen verengt die Blutgefäße, manchmal sogar in lebensbedrohlicher Weise. Dass starke Raucher/innen sich durch solche Warnungen nicht abhalten lassen, dennoch das „süße Gift“ zu inhalieren, hängt damit zusammen, dass unter dem Einfluß von Nikotin (und ebenso Kokain) der Dopamin-Spiegel im Gehirn auf das Dreifache ansteigt (unter Alkohol nur auf das Doppelte). „Weil Dopamin uns wach und aufmerksam macht, fühlen wir uns nach einer Zigarette angenehm erregt und leistungsfähiger, machen ein Glas Wein oder zwei optimistisch“, erklärt der Biophysiker Stefan Klein in seinem Bestseller „Die Glücksformel“ (Rowohlt), und er erklärt: „Letztlich kommt es nicht darauf an, wie Dopamin freigesetzt wird. Entscheidend ist, dass es geschieht, denn dadurch verknüpft das Gehirn den Anblick der Droge und das Verlangen nach ihr fast unauslöschlich miteinander. Ein süchtiges Hirn, das eine Zigarette erkennt, befiehlt sofort ,anzünden‘ oder gibt beim Reiz ,Flasche‘ Weisung zu trinken. Schon das Bild einer Spritze reicht, um bei Heroinsüchtigen den Schaltkreis des Verlangens anspringen zu lassen, wie Untersuchungen mit dem Positronen-Emissionstomographen beweisen.“ Und er enttarnt: „So schleichen sich Nikotin, Alkohol oder Kokain wie die Krieger im trojanischen Pferd in Hirnstrukturen ein, die für angenehme Gefühle zuständig sind: Drogen kapern das Gehirn“. Tatsächlich sind es oft gerade die Angehörigen von Gesundheitsberufen, die entgegen besserem Wissen und erwarteter Vorbildwirkung regelmäßig zur Entspannungszigarette greifen. Kein Wunder – haben sie doch sonst kaum Gelegenheit zu einer „Atempause“, außer in Form einer „Rauchpause“. Dabei sollten vor allem sie darauf drängen, sich gute Gefühle anders verschaffen zu dürfen als durch die Verschmutzung ihrer Atemwege ... Atmen steht ja symbolisch immer auch für „Austausch“: wir atmen alle die selbe Luft, und wenn wir miteinander reden, tauschen wir unseren Atem moduliert mittels unserer Stimmbänder und Lungenbewegungen aus, und wir bewirken damit auch immer Veränderung der Atmung bei unseren Ansprechpartner/innen – denken wir nur daran, welche Atemströme wir ausstoßen, wenn wir beispielsweise seufzen, stöhnen, hecheln oder gar pfauchen ... Wir könnten einander aber auch anhauchen. Aber das darf man ja in unserer ach so zivilisierten westlichen Welt nicht ... In der Wiener Internationalen Akademie für
Ganzheitsmedizin hatten die Mitarbeiterinnen vor Jahren ein Plakat
mit der Botschaft „Küß‘ einen
Nichtraucher und schmeck‘ den Unterschied!“ aufgehängt – unser
aller Chef, Univ. Prof. Dr. Alois Stacher, international hoch angesehener
Blutforscher, hat sich trotz drohender Konkurrenz dennoch nicht aufhalten
lassen, Kette zu rauchen ... Vielleicht hätte ich Nichtraucherin
doch nicht kaum eine Gelegenheit auslassen sollen, meinen hochverehrten
Mentor in aller Dankbarkeit zu küssen ...? |